Golfen at the Shannon

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Zwei Stunden dauert der Flug mit AER LINGUS von Deutschland nach Dublin. Mit dem LeBoat Shuttle werden wir vom Flughafen abgeholt und nach Portumna gebracht, um unser Boot zu ĂŒbernehmen. Ich werde zum KapitĂ€n ernannt. Der Chef der Basis zeigt mir, wie man das Boot steuert, wie man es anlegt, wie man das Boot auf der Stelle wendet, und wie man sich an den roten und schwarzen Bojen auf dem Shannon orientieren kann.

Unser Hausboot ist 15 Meter lang und fast 4 Meter breit. Beeindruckend. Jeder von uns hat eine eigene Kabine mit Dusche und WC. Ein Superschiff. Die KĂŒche ist perfekt ausgestattet, nur eine SpĂŒlmaschine fehlt, aber SpĂŒlen und Abtrocknen teilen wir unter uns auf. Jeder ist mal dran. Die Fahrt auf dem Shannon ist nicht ganz einfach. Der grĂ¶ĂŸte Fluss Irlands hat fast zwei Meter Hochwasser. Wir sehen zwar rote und schwarze Bojen, aber wo ist das Flussbett? Wieso stehen 20 KĂŒhe auf einer Insel, die nicht in unserer Karte verzeichnet ist, warum ragen WeidezĂ€une halb aus dem Wasser, obwohl doch hier eigentlich der Shannon sein mĂŒsste? KapitĂ€n und Bootsmann sind gefordert. Irgendwann lautes Sirenengeheul von einem Schiff hinter uns. Wir stoppen die Maschinen. GlĂŒck gehabt. WĂ€ren wir auch nur wenige Meter weiter gefahren, hĂ€tten wir kein Wasser mehr unterm Kiel gehabt und wĂ€ren auf einer Wiese gestrandet. Dank sei unserem irischen Retter. Auf seinem Boot im Hafen von Shannonbridge begießen wir die geglĂŒckte Rettung mit Irish Whisky.

Ab in den Pub!

Wir ankern an der BrĂŒcke, um derentwegen die zwei Dutzend HĂ€user von Shannonbridge ĂŒberhaupt eine Daseinsberechtigung als Ort haben. Der zweite Grund nach Shannonbridge zu fahren, ist der Killeens Pub. Eine urige Kneipe, die listigerweise mit einem KrĂ€merladen verbunden ist. MĂ€nner und Frauen strömen mit eigenartigem GepĂ€ck in den Pub. Akkordeons, Fiddles, Gitarren und Irish Tin Whistles kommen zum Vorschein und liegen griffbereit auf StĂŒhlen und Tischen. Die GĂ€ste plaudern, der erste hebt die Stimme, seine Nachbarn greifen zu Instrumenten, es wird gesungen und geklimpert. Heute ist Ausgehtag. Die Herren obercool, die Damen aufs Feinste aufgebrezelt. Die Menschen hören zu, singen mit, mischen sich ein. Irgendjemand ruft nach Patrick. Ein Ă€lterer Mann steht von seinem Hocker am Tresen auf und singt das Lied von den „Immigrant Eyes“. Eine traurige Erinnerung an die bitteren Zeiten der Hungersnot in Irland. Den Sentimentalen unter den Zuschauern stehen TrĂ€nen in den Augen. Jupp und ich können ein bisschen Akkordeon spielen. Zusammen mit dem Banjospieler geben wir eine Kostprobe deutscher Volkslieder. „Drinks free,“ ist unsere Gage. Zum Abschluss des Abends stehen alle GĂ€ste auf, legen die Hand aufs Herz und singen mit Inbrunst die Gaelische Version der Irischen Nationalhymne. Ein authentischer Wohlklang, dessen Schönheit schon mal zu TrĂ€nen rĂŒhrt. Nach der Last Order geleitet uns der Wirt aus der TĂŒr des Pubs hinaus und durch die benachbarte TĂŒr sogleich wieder in den KrĂ€merladen hinein. Hier trinken wir unser Guinness zwischen Kitekat und Persil am Ladentresen. Um die Pubkultur in Irland muss sich niemand Sorgen machen.

Jetzt aber ab aufs GrĂŒn

Vor lauter Begeisterung fĂŒr dieses Land vergessen wir fast den eigentlichen Grund unserer Reise, das Golfspiel. Morgen wollen wir den Athlone Golf Course in der Hodson Bay spielen. Anruf genĂŒgt, es gibt noch Abschlagszeiten. FĂŒnf Stunden Fahrt sind leicht zu schaffen. Auf halber Strecke besichtigen wir Irlands National Monument, das Kloster Clonmacnoise. Hier lebten einst bis zu 6000 Mönche. Es liegt direkt am Shannon und wirkt auf uns wie ein Wald aus lauter keltischen Kreuzen, eines schöner als das andere zwar, doch leider ist nur der magische Zauber der Ruinen geblieben. Der Athlone Golf Course von 1892 ist ein Altersjuwel, das Respekt verlangt. Hektisches Draufhauen ist nicht gemĂ€ĂŸ, hier hat die Zeit noch Zeit, und so will der Platz auch gespielt werden. Wer aggressiv zu Werke geht, trifft buchstĂ€blich ins Leere. SorgfĂ€ltig wie auf dem Shannon mit dem Boot, muss man hier mit den Hölzern agieren. Man tut gut daran, sie öfter mal im Bag zu lassen. Was dem Kurs mit nur 5.695 Yards an LĂ€nge fehlt, wird durch ausgefallenes Design wettgemacht. Ein Eldorado fĂŒr Spieler, die mit den hohen Eisen trefflich umgehen können, denn der Zugriff auf die kleinen pfeilschnellen Greens gelingt nur im hohen Flug. Das Terrain stellt Golfer auf eine harte Probe.

Nach dem Spiel bleiben wir zum Imbiss im Clubhaus und schippern dann mit unserem Hausboot quer ĂŒber den unteren Teil des Lough Ree zum nĂ€chsten Golfplatz. Es ist diesig, die Einfahrt zum Hafen des Glasson Golf & Country Clubs ist eng und im Schilf versteckt, aber der Golfplatz ist zu sehen, und wo der Golfplatz ist, muss auch der Hafen sein. Wir nĂ€hern uns sorgfĂ€ltig und finden die enge Einfahrt zum Anlegeplatz direkt am 15. Green. Geschafft, es wird bald dunkel.

Die nÀchsten 18 Loch warten bereits

Wir haben uns angemeldet. Der Owner Tom Reid holt uns vom Boot ab. Im Lakeside Restaurant seines Clubhauses lassen wir uns irische Leckereien servieren. Austern mit Guinness und eine Fischsuppe mit Chilli. Von Mister Reid erfahren wir, dass die irische Tradition, Nahrungsmittel zu rĂ€uchern, durch das feuchte Wechselklima bedingt war. So haben die Iren seit jeher fast alle Lebensmittel gepökelt oder gerĂ€uchert und eine Vorliebe fĂŒr diesen einzigartigen Geschmack entwickelt. Wir wollen diese lukullische Besonderheit kennen lernen und essen das in Wacholderbeeren gepökelte und im Torffeuer gerĂ€ucherte Schweinefilet. Ein exzellenter Gourmetgenuss; und zwischendurch immer mal wieder einen Whisky. Am Morgen sehen wir dann vom Schiff aus einen der schönsten PlĂ€tze Irlands vor uns liegen. Der Glasson Golf & Country Club machte durch die European Challenge Tour auf sich aufmerksam. Die Runde entpuppt sich als eine ebenso hinreißende wie hindernisreiche Rallye rund um das gleichnamige 4Sterne Hotel. Der Variationsreichtum der Löcher ist immens, sie kommen in allen LĂ€ngen daher. Höhepunkt der Partie, die keine Schwachstelle kennt, ist die 566 Yard lange Vierzehn. Von hoch oben schwebt der Drive in eine ungewisse Zone. Der Weg bis zum Green ist lang und gefahrvoll. Kraftvolle SchlĂ€ge mit linker Abweichung landen im Wasser. Diese Bahn spielt man gegen den Wind, gegen den See und, wenn man GlĂŒck hat, gegen den Sonnenuntergang.

ZurĂŒck im Loch Ree steuern wir zum Norden, wo der See schmaler wird und wieder Shannon River heißt. Die Schleuse vor Tarmonberry ist geschlossen. Wir mĂŒssen warten. Ich gehe zum WĂ€rterhĂ€uschen, um mich zu erkundigen, wann wir hoch geschleust werden. Das Ehepaar sitzt zur Mittagspause in der KĂŒche. Ein großer Topf steht auf dem Tisch. „Where do you come from? Are you German“? fragt mich die Frau. „Would you like to join us for dinner?“ Ich nicke, sage ihr aber, dass wir zu viert sind. “No problem, come along!” Wir setzen uns an den Tisch. Es gibt Irish Stew. Wir haben schon viel von diesem Irischen Nationalgericht gehört, gegessen haben wir es noch nicht. Der Eintopf besteht aus Lammfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und Petersilie. Oft werden auch Karotten und verschiedene GewĂŒrze hinzugefĂŒgt. „My wife comes from Dublin ,“ erzĂ€hlt der SchleusenwĂ€rter, „and this is a Dublin Stew. It’s flavour is fantastic because it is very hot”! Wir stimmen ihm zu, ganz schön scharf, aber es schmeckt sehr gut. Wir spendieren das Guinness und freuen uns ĂŒber die herzliche irische Gastfreundschaft.

Die Fahrt neigt sich dem Ende zu

Bis Roosky ist es nicht mehr weit. Wir legen im Hafen an und bleiben ĂŒber Nacht. Heute essen wir an Bord. Wozu haben wir eine KĂŒche? Einmal wollen wir noch Golf spielen und fahren deshalb recht frĂŒh zum Carrick on Shannon Golf Club. Herrliche Aussichten auf den Lough Eidin zwar, aber das war es dann auch schon. Langweilige Bahnen, der Platz hat uns nicht gefallen. Wir brechen nach den First Nine ab, steigen auf unser Hausboot und fahren durch eines der schönsten Seengebiete des Shannon durch Lough Key nach Boyle. Gut, dass wir das so gemacht haben. Wir hĂ€tten diese römantische Landschaft sonst nicht kennen gelernt. Am nĂ€chsten Morgen geht alles sehr schnell. Der LeBoat Shuttle bringt uns zum Flughafen nach Dublin. Wir steigen in den Flieger, und nach zwei Stunden Flug sind wir wieder in Deutschland.

LeBoat Hausbootferien
61118 Bad Wilbel
Tel: 06101 55 791 66
www.leboat.de
LeBoat Hausboote gibt es in Frankreich, Deutschland,
Italien, Belgien, Holland, Irland, England und Schottland.

Glasson Golf &Country Club Glasson
Athlone, Irland
Tel: +353 (0)90 6485120
www.glassongolf.ie

Athlone Golf Club
Athlone, Irland
Tel: +353 (0)90 6492073
www.athlonegolfclub.ie

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