Golf Bonjour in der Camargue
Rolf Everding mit dem Hausboot zum Golfen in der Camargue
GOLF BONJOUR IN DER CAMARGUE
Vier Golfspieler sind ausgezogen, um das Leben auf den Kanälen und auf den Golfplätzen in der Camargue kennen zu lernen. Wir fahren mit dem ICE, dem Thalys und dem TGV von Deutschland über Brüssel und Paris nach Nimes, und dann mit dem Bus ans Mittelmeer zur LeBoat Hausboot Basis in St-Gilles am Canal du-Rhóne-á-Séte.
Unser Zuhause schwimmt und heißt CLASSIQUE. Es ist fast 14 Meter lang, knapp 4 Meter breit und von kühner Eleganz. Der Chef der Basis erscheint und erklärt, was an Bord alles zu tun ist. So funktioniert der Kühlschrank, so die Heizung, so die Toilette und so weiter und so weiter. Er zeigt uns auch, wie man das Boot steuert, wie man es an- und ablegt, wie gebremst wird und wie es auf engem Raum gewendet wenden kann.
Dann schippern wir auf dem Canal du Rhone á Séte los in Richtung Aigues-Mortes.
Am Ufer sehen wir weiße Pferde. Es sind die Camarguais, die letzten halbwilden Pferde Europas. Sie begleiten uns eine ganze Weile am Ufer. Als wir anlegen, bleiben sie stehen und lassen sich füttern und streicheln. Reiten lassen wollen sie sich nicht. Ein lauter Pfiff von einem herannahenden Reiter schreckt die Herde auf, sie heben die Köpfe und galoppieren durch die Salzwiesen davon. Die Camarguais leben wie in freier Wildbahn und versorgen sich selbst. Etwa zweitausend dieser Pferde sind in der fast menschenleeren Weite der Camargue zuhause.
Die Landschaft ist flach, weit, scheint endlos. Sie ist still und unaufdringlich. Seit Stunden ist uns kein Boot begegnet. Außer den mit dem hier gewonnenen Meersalz beladenen Lastkähnen sind in dieser Region fast keine Handelsschiffe mehr unterwegs. Winzige Orte ohne Straßenanbindung liegen am Kanal. Wind, Wetter und das Salz haben die kleinen Boote der Fischer geschunden. Vor den pastellfarbenen Häusern verkaufen alte Männer Fisch aus ihrem morgendlichen Fang direkt an die Hausbooturlauber. Die Jungen sind lange von hier weggezogen, sie arbeiten in den Bettenburgen der Ferienorte als Kellner oder Surflehrer, als Discjockey oder Koch.
Vor uns sehen wir mächtige graue Befestigungsmauern. Wir nähern uns Aigues-Mortes. Es ist ein Kleinod, dieses historische Städtchen. Im Mittelalter als Hafenstadt gegründet, liegt es durch die Verlandung der Flachwasserzone sechs Kilometer vom Meer entfernt. Die Aiguemortais, so nennen sich die Bewohner, sind gastfreundlich liebenswerte Franzosen, die Ihre Gäste mit edelster mediterraner Küche verwöhnen. Spezialitäten sind Gerichte aus deftigem Fleisch der Schwarzen Stiere, die auf den Manades der Umgebung gezüchtet werden. Wir bleiben über Nacht im Hafen direkt vor der Stadtmauer.
Früh am Morgen fahren wir bis Le Grand Motte. Ab den sechziger Jahren entstand aus dem Nichts diese Touristenstadt mit Ferienwohnungen, Vergnügungsparks, Campingplätzen und Yachthafen. Die Zielsetzung bestand darin, Urlauberströme von den spanischen Badeorten hierhin umzuleiten. Wahrzeichen der Stadt sind die terrassenförmig angelegten riesigen Pyramiden-Ferienhochhäuser. Sie werden für die Unterbringung der vielen Touristen genutzt. Eine gigantische Vergnügungsmaschine, auf der man auch Golf spielen kann.
Die Golfplätze von La Grande Motte wurden von Robert Trent Jones Senior im Sinne der traditionellen Golfplätze in Florida kreiert. Inspiriert durch den Gigantismus dieses Terrains hat der amerikanische Architekt gleich 3 Golf Parcours entworfen. Sie haben uns nicht gefallen. Zu viel Show, zu viel Golftheater drum herum, zu viel Künstlichkeit. Wir sehnen uns nach unserem Hausboot. Wir suchen Ruhe statt Rummel, wir wollen die Füße hochlegen und gesunde Luft atmen.
Gegen Abend steuern wir den Steg einer kleinen Häusergruppe an, es herrscht starker Wind. Drei alte Männer weisen uns den Weg und helfen beim Anlegen. Wir sind froh, dass wir Hilfe haben und die Strömung überlisten können. Es wird bald dunkel. Wir laden die Männer ein, zu uns an Bord zu kommen. Sie essen unser Stiergoulasch mit Schwarzrettich, wir trinken ihren Wein. Wir haben uns angefreundet, es wird ein langer Abend.
Am Morgen hat die Natur ihre drohenden Gebärden aus geknipst. Der Wind ist verschwunden, der Kanal ist ruhig und Enten schwimmen laut schnatternd um unser Boot. Die Fahrt bis zur Hebebrücke in Frontignan ist besonders schön. An manchen Stellen verläuft der Kanal nur ein paar hundert Meter hinter den Sandstränden der Französischen Mittelmeerküste. Die Luft schmeckt nach Salz, und manchmal kann man die Brandung hören. Im seichten Wasser stehen Flamingos. Die Eleganz, die Schönheit und die Grazie der Vögel sind beeindruckend. Das gemeinsame Auffliegen von Tausenden von Flamingos ist unser besonderes Erlebnis.
Vor der Einfahrt in den Etau de Thau erkundigen wir uns beim Hafenmeister, ob wir fahren dürfen. Wir dürfen, denn der Wind weht nicht so stark, dass Hausboote den See nicht passieren dürfen. Bis in den Hafen von Méze ist es nicht weit. Ein wunderschöner Ort. Der Austernfischer Vivian Caumeil bringt uns mit seinem kleinen Boot direkt zu den Austernnetzen, in denen Männer in gelben Overalls die wertvollen Meeresfrüchte züchten und ernten. Beim Candle-Light-Diner an der Mole essen wir Austern. Wenn nicht hier, wo dann. Es gibt eine große Auswahl: Klassisch auf Eis, Austernsuppe in Glasschalen, Austern mit Chili und Olivenöl, Gegrillte Austern im Speckmantel und Austern mit Kaviar. Köstlichkeiten, die wir so gut nie vorher gegessen haben.
Um die Schönheit der Camargue zu entdecken, tut man gut daran, sie nicht nur flüchtig zu besuchen. Wir nehmen uns Zeit. Wir bleiben einen ganzen Tag in Marseillan und verköstigen den Aperitif-Wein Noilly Prat im Weinkeller des Herstellers. Bis Agde säumen 300 Jahre alte Platanen den Kanal. Ihre enormen Baumkronen schützen das Wasser vor zu großer Verdunstung. Wir durchfahren die weltweit einzigartige Rundschleuse Ecluse Ronde und essen abends als lukullischen Höhepunkt unserer am Hafen die heimische Spezialität Dorade Royal in der Salzkruste. Eine Köstlichkeit, wir werden noch lange davon schwärmen.
Am letzten Tag unserer Bootsreise geben wir das Schiff wohlbehalten an der Basis in Port Cassfiéres ab und fahren zum 4Sterne Hotel Palmyra Golf. Der Club Golfe Cap d ´Agde liegt direkt am Hotel, bis zur Golfanlage Golf de St. Thomas ist es nicht weit.
Auf den Fairways der Cap d´Agde Golfanlage kann man leicht schon mal ins Schwärmen kommen. Der Rhythmus zwischen sichtoffenen Golfbahnen und den sich nach allen Seiten hin öffnenden Talräumen, geben dieser Runde einen besonderen Reiz. Höhepunkt sind die Bahnen Acht und Zehn. Wasser umgebende Spielbahnen reizen zum Risiko. Legt man mit kurzem Eisen vor, oder versucht man mit langem Holz die Nähe des Greens zu erreichen? Der 6.351 Meter lange Platz ist wie ein gut bewässerter Landschaftsgarten mit weiten Blicken auf Lavendelfelder. Wir haben diesen Platz zweimal gespielt. Er steht in unserer Bestenliste recht weit oben.
Auf der Golfanlage Saint-Thomas bei Bézieres mag der unvorbereitete Gast zunächst glauben, die falsche Sportausrüstung dabeizuhaben. Angesichts der 22, oftmalig geradezu provozierend angeordneten Teiche, scheint ein Schlauchboot passender als ein Golfbag. Eine wahrlich maritime Angelegenheit. Der Platz erwartet taktisch kluges Spiel auf höchstem Niveau. Ein Spagat zwischen Verzückung und Verzweiflung. Man tut gut daran, mit dem Terrain behutsam umzugehen. Fairwayhölzer sind die wichtigsten Schläger im Bag. Wer mit ihnen sicher umgehen kann, hat Aussicht auf einen guten Score. Saint-Thomas-Golf ist eine technische Delikatesse mit faszinierenden Bildern der Camargue.
Golf und Schiff Bonjour in der Camargue.
LeBoat Hausbootferien
Tel.: 06101 55 791 66 www.leboat.de
Golf le Cap d ´Agde und Hotel: www.palmyragolf.com
Golf Saint Thomas: www.golfsaintthomas.com








































































































































































































































































