Sie gehört zu den charmantesten und interessantesten Persönlichkeiten der internationalen Modemacherszene. Ihre Creationen sind Symbiosen zwischen ihrer brasilianischen Heimat und Deutschland und fantasievolle feminine Stilrichtungen für die sportliche und elegante Frau. Sonia Bogners Mode ist überall und jederzeit salonfähig. Mehr noch, sie gehört zum guten Ton.
Ich sitze auf der Terrasse des Tegernseer Golfclubs. Sonia Bogner kommt mit einem strahlenden Lächeln auf mich zu. “Sind Sie der, der mit mir Golf spielen will, der wissen will, warum ich gerade diesen Platz so liebe, und der mich auch fragen will, was ich sonst noch so mache?”
Ja, der bin ich.
Sie ist das, was man unter einer natürlich-klassischen Schönheit versteht. Zwei dunkle Augen strahlen in ihrem ausdruckstarken, sensiblen Gesicht. Sie redet, wie ihr der Mund gewachsen ist. Wenn sie über modische Vorlieben und Prinzipien spricht, kokettiert sie mit ihrem portugies-de-brasil gefärbten Klang in ihrer Stimme. “Wollen wir wirklich alle 18 Löcher spielen,” fragt sie, “sind nicht auch neun genug? Ich will mich doch einige mal umziehen, um Ihnen zu zeigen, wie schön meine neuesten Golfklamotten sind!” Sie lacht. “Aber nein,” fällt sie mir schon vorab in meine Antwort, “meinen Lieblingsplatz spielen wir komplett, was soll der sonst von mir denken!”
Wir spielen 18 Löcher, Fünf ein halb Kilometer.
Mit einem Elektro-Buggy für ihre Blousons, T-Shirts, Pullis und Westen, gehen wir auf die Runde. Es ist noch recht früh am Morgen. “Herrlich, keiner da,” ruft Sonia, “da meint man glatt, dass sei ein privater Platz und der gehöre nur uns!”
Sie schlägt recht weit ab. Das hatte ich ihr nicht zugetraut, denn mit Handicap 26 machen Frauen ihre Punkte meist nicht durch Längen, sondern durch sicheres geradeaus spielen. Sie verfehlt auf der ersten Bahn nur knapp das Paar. Schade, der Putt war zu kurz. “Die nächste Bahn mag ich nicht,” sagt sie auf dem Weg zur Zwei, “ viel zu lang, meist schräg, und dann auch noch rauf und runter. Das ist mir zu anstrengend. Ich denke, hier werde ich schlammassieren!”
Was hat sie da gesagt? Schlamassieren? Ist das bayrisch? Ich kenne das Wort nicht und frage. “Nicht böse sein,” lacht sie, “ich sage oft Worte, die es gar nicht gibt, und das war –glaube ich- mal wieder so eines.”
Sie spielt besser, als sie es mir vor dem Spiel angedeutet hat. Ihre Schlaghaltungen sind wie aus dem Lehrbuch. Lieblingsbahnen hat sie auch. Bei ihr sind es zwei kurze Par 4, die Zehn und Elf. Und tatsächlich, sie spielt auf diesen Bahnen sehr konzentriert und kann sich jeweils ein Par notieren. “Dies ist mein Lieblingsplatz, und den will ich nicht enttäuschen,” sagt sie mit Schalk in den Augen. Wenn sie schräg über oder unter dem Ball steht, schimpft sie: “Was soll das, das habe ich nicht trainiert, warum liegst Du blöder Ball gerade da?” Das Golfspiel mit Sonia Bogner macht Spaß. Ausgelassen spielfreudig und lustig zum einen, korrekt und ernsthaft zum anderen.
Richtig begonnen hat sie mit dem Golfen erst nach einem Missgeschick. “Meine Kinder Bernhard und Florinda waren noch klein. Wir tobten am Strand von Rio an der Copacabana so ausgelassen, wie es brasilianische Mütter mit ihren Kindern tun. Wir liefen im feinen Sand um die Wette, matschten mit bunten Blechförmchen, und planschten in den Wellen. Plötzlich merkte ich, dass ich meine kostbaren Ohrringe, ein wertvoll liebes Geschenk von meinem Mann, verloren hatte. Suchen war vergeblich, sie waren weg. Ich war sehr traurig und nur schwer zu trösten,” erzählt sie ein wenig wehmütig, doch gleich beginnen ihre Augen wieder zu strahlen. “Willy versprach mir, dass ich die gleichen Kreolen von ihm noch einmal geschenkt bekäme, wenn ich morgen endlich mein Golf-Handicap für die Patzreife mache.” Sie lacht. “ Willy kannte mich schon sehr lange, eine solche Energie aber mit der ich um meine Ohrringe kämpfte, hatte er mit mir noch nicht erlebt. Ich spielte Golf, wie ich es nie zuvor gespielt hatte, bestand die Platzreife mit Bravour und bekam meine Ohrringe. Willy freute sich zwar, hat aber nie wieder ein ähnliches Angebot gemacht!”
Sonia Bogner wurde im August 1950 in Rio de Janeiro geboren. Nach dem Abitur zog sie zu ihrer Schwester, der Schauspielerin Florinda Bolkan, nach Rom. “Während eines Verkaufspraktikums in der Boutique von Valentino in Rom begegnete mir Willys Mutter Maria,” erzählt sie. “Sie engagierte mich als Model für ihren nächsten Sportkatalog. Bei Fotoaufnahmen auf dem Feldafinger Golfplatz im Juli 1972 lernte ich Willy kennen. Wir mochten uns sofort und total. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach einem halben Jahr waren wir Mann und Frau. Wir sind seit 38 Jahren verheiratet; und ich glaube, sehr glücklich!”
“Als ich Willy heiratete, konnte ich sportliche Leistungen höchstens beim Tanzen vorweisen. Bei mir fing das mit dem Sport ganz langsam an, und es hat auch lange gedauert, bis ich einen Golfschläger ernsthaft in die Hand genommen habe und Platzreif wurde. Mittlerweile macht mir Golfspielen viel Freude; wenn ich es nur besser könnte! Ich würde mir gern ein gutes Handicap kaufen,” lacht sie mich an,” doch das muss man sich erspielen. Wenn es aber möglich wäre, würde ich mir ein richtig gutes kaufen. Handicap Fünf oder Sechs oder so, auf jeden Fall ein besseres, als mein Mann es hat, der hat Sieben!”
“Obwohl ich schon so lange in Europa lebe, sind meine Wurzeln noch immer in Brasilien. Besser gesagt in Rio. Rio de Janeiro ist meine Heimat. Menschen, die da geboren sind, sind Cariocas. Ich bin eine Carioca, und darum muss ich immer wieder nach Rio.” Ihre Stimme klingt ein wenig melancholisch. “ Wenn ich träume, träume ich brasilianisch. Ich rieche schwarzen Kaffee und Papayas, Bananen und Ananas, ich rieche den Strand und die Menschen, ich rieche Rio de Janeiro. Aus jeder Ecke tönt Musik. Wenn ich die Rhythmen höre, könnte ich sofort anfangen zu tanzen. Aber es ist ja nur ein Traum.”
Mein Gespräch mit Sonia Bogner war wie ein belebender Spaziergang, erfrischend kurzweilig, mitreißend fröhlich, aber auch ein bisschen wie gedämpfte Freude am immerwährenden Glück.
Sonia Bogner wurde als Sonia Ribeiro am 5. August 1950 in Rio de Janeiro geboren. Sie studierte Englisch in Cambridge. 1972 heiratet sie Willy Bogner. Nach harten Lehrjahren bei ihrer Schwiegermutter Maria Bogner übernahm sie die Betreuung der Bogner Damenkollektion. Als Design-Chefin hat sie mit ihren Kollektionen große Erfolge. Sie spricht 5 Sprachen.
World of BOGNER www.bogner.com
Tegernseer Golf Club in 83707 Bad Wiessee Tel: 080 22 / 87 69 www.tegernseer-golf-club.de
