Indian Summer in Ontario

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Indian Summer auf dem Golfplatz Niagara-on-the-lake

Wer sich den Indian Summer in Kanada wie den Altweibersommer in einem deutschen Laubwald im Herbst vorstellt, hat nie erlebt, wie Ahorn- und Eichenblätter im untergehenden Sonnenlicht in einer Farbenorgie explodieren. Der Indian Summer verwandelt die Wälder Ontarios im Oktober in eine Märchenlandschaft, und wer dann noch in solch einer Landschaft Golf spielen kann, der erlebt Golferglück pur.

Mit Indian Summer bezeichnet man eine Zeit im Spätsommer oder Frühherbst, die durch das lebhafte Farbspiel der Wälder charakterisiert ist. Intensive Blattfärbungen von Grün, Gelb, Orange, Rot und Braun sind dabei oft mit einem strahlenden Himmel und einem erneuten Anstieg der Temperaturen stellenweise auf über 20 Grad verbunden. Früh einsetzender Nachtfrost beschleunigt die Laubfärbung, ein warmer und sonniger Spätsommer verlangsamt den Prozess. Diese Kombination von angenehmem Wetter und einmaligem Farbenspiel nutzen einheimische und ausländische Golftouristen zu Ausflügen in Gegenden, in denen das Naturschauspiel besonders ausgeprägt ist.

Wir waren in Kanada und haben den Indian Summer in Ontario erlebt. Mit der Lufthansa von Deutschland im Direktflug nach Toronto, zwei Tage als Touristen in dieser zweieinhalb Millionenstadt, und dann mit dem Auto etwa eine Stunde Fahrt Richtung Nord-West in das Hotel The Millcroft Inn & Spa in Village of Alton-Caledon. Eine Oase der Ruhe in der hügeligen Landschaft des südlichen Ontarios. Eine anspruchsvoll herzliche Gastfreundschaft mit einer exzellent guten Küche für heimische Spezialitäten. Hier in der Nähe gibt es vor dem Hintergrund fantastischer Wildniskulissen mehrere hervorragende Golfplätze.

Auf der 54 Lochanlage Osprey Valley spielten wir den großflächig angelegten bunkerreichen Heathlands Course und den schweren Hoot Platz, dessen Streckenführung über und um acht Seen an die Grenze des golferisch Machbaren geht. Ich habe nie vorher eine Platz gespielt, auf dem Wasser so oft den Score verdirbt. Die Wasserhindernisse treten als Störenfriede immer gerade dann auf, wenn in diesem heimeligen Umfeld Gemütlichkeit vorgetäuscht wird. Der Variationsreichtum der Löcher ist immens. Während des Indian Summer zeigt sich die waldreiche Anlage von ihrer besten Seite.

Es gibt Plätze, auf denen die Natur nicht als Kulisse oder Bühnenbild dient, sondern auf Mitspracherecht pocht. Hockley Valley gehört dazu. Ein tollkühnes Unternehmen. Man tut gut daran, die Hölzer weitgehend in der Tasche zu lassen, sonst reicht auch der bestgemeinte Ballvorrat nicht aus. Die ersten Bahnen schmiegen sich eng an einen flachen Bachlauf und lassen nicht ahnen, dass der Rest der Runde spektakulär wird. Der Abschlag der Zwölf bietet einen Panoramablick, der kaum zu überbieten ist. Im ständigen Auf und Ab mit enormen Höhenunterschieden bestimmen die hohen Roughs, dass jeder verirrte Ball ein verlorener ist. Das Mitführen eines Picknickpakets wäre sinnvoll gewesen, denn ohne Stärkung sind die großen Distanzen und Höhenunterschiede dieses Golfplatzes der Extraklasse kaum zu überbrücken.

Wir fahren weiter Richtung Nord-Ost in das Deerhurst Resort mit zwei Golfplätzen am Peninsula Lake und nahe des Algonquin Parks.
Von manchen schönen Momenten träumt man, lange bevor sie Wirklichkeit werden. So ging es mir mit dem Deerhurst Golf Resort. Das Swing & Spa Package ermöglicht uns diesen Luxus. Ein Golfjuwel abseits der verordneten Touristenpfade, da wo die Natur es mit ihrer Schönheit sprichwörtlich auf die Spitze treibt. Wir können uns gar nicht satt sehen an der wundervollen Landschaft. Aber natürlich sind wir wegen der Plätze hier. Der Deerhurst Lakeside zum Sich warm spielen am ersten Tag, und der Deerhurst Highlands mit allergrößten Schwierigkeiten 24 Stunden später.

Die 18 Löcher des Lakeside sind als Par 64 zu spielen. Ausbalancierter lässt sich eine Streckenführung kaum denken. Auf Anhieb spürt man das angenehm begehbare Konzept, eine Komposition von strenger Schönheit und das einfallsreiche Vergnügen an Gegensätzen. Auch der weniger Geübte wird auf seine Kosten kommen, da dieser Platz immer Optionen und Fluchtwege bereithält. Der Lakeside ist so gestaltet, dass jeder Schläger im Bag benutzt und auch beherrscht werden muss. Neun Par 3, acht Par 4, ein 485 Meter langes Par 5 und viele tiefe Bunker verlangen volle Konzentration. Trotzdem sollte ein guter Score gelingen.

Auf dem Natur belassenen hügeligen Deerhurst Highland Course bestimmt die Landschaft, dass der Gang von einem zum andern Loch einer ordentlichen Wanderung gleicht. Das atemberaubende Panorama vom höchsten Abschlag des Platzes macht jedem Golfer klar, dass dieser Platz gleichermaßen die Phantasie und den Kreislauf beansprucht und das Gelände neben Können auch Kondition fordert. Und dann die vielen Ahornbäume, die im Sonnenlicht in eine Farbensymphonie explodieren. Der Platz ist unvergleichbar. Immer wieder bekommt man andere Perspektiven vorgesetzt und wird auf falsche Fährten gelockt. Verzögerungen und Beschleunigungen sorgen für das, was das Wesen einer dramatischen Spielfolge ausmacht. Trotzdem war ich nirgendwo in Kanada auf einem Golfplatz lieber unterwegs, als gerade hier. Der Deerhurst Highlands gehört zu den 100 besten Plätzen der Welt. Ontario zu besuchen und Deerhurst nicht zu spielen, ist wie in San Francisco gewesen zu sein und nicht auf dem Trittbett eines Cable Car gestanden zu haben.

Wir haben in acht Tagen fünf ganz unterschiedliche Plätze gespielt, wir brauchen eine Pause und fahren in eines der vielen gemütlichen Cottages des Arowhon Pines im Algonquin Park. Tagelang nur Bäume gucken? Klingt ähnlich aufregend wie Spatzen im Vorgarten zu beobachten. Das jedoch kann nur jemand denken, der den Indian Summer nicht kennt. Während das Blattwerk bei uns daheim von gelbbraun bis dunkelrot vom Baum fällt, glüht und knallt es im Algonquin Park in allen erdenklichen Feuer- und Sonnentönen. Allein für diesen Anblick lohnt sich die weite Reise in die kanadische Provinz Ottawa. Wir bleiben drei Tage und erwandern die nähere Umgebung. Wir sehen Elche beim Baden zu, ängstigen uns beim Anblick von Bärenkot, paddeln mit dem Kanu und genießen herrliche Ausblicke über die weiten bunten Wälder des Algonquin Parks.

Unsere Reise geht zu Ende. In Huntsville spielen wir noch einmal Golf. Es hat uns nicht so richtig Spaß gemacht. Vielleicht waren wir mit unseren Gedanken noch immer bei der Farbenpracht in den weiten Wäldern. Es kann aber auch sein, dass uns der Deerhurst Highlands Course dermaßen beeindruckt hat, dass unsere Ansprüche zu hoch waren. Der Huntsville Downs Golf ist ein Platz mit vielen kleinen und großen Höhepunkten und mit allen möglichen taktischen Raffinessen. Darüber hinaus war die Partie eine Begegnung mit einer wunderschönen Landschaft. Die Anlage hätte unsere ganze Aufmerksamkeit verdient. Schade, vielleicht beim nächsten Mal, und dann spielen wir diesen Platz ganz am Anfang unserer Reise, und nicht erst nach zwei Wochen, wenn wir schon so viel Schönes gesehen und erlebt haben wie im Indian Summer in Kanada.

Die Stationen unserer Reise:

The Millkroft Inn & Spa Hotel
www.millcroft.com

Deerhurst Golf Resort
www.deerhurstresort.com

Hockley Valley
www.hockley.com

Osprey Valley Resorts
www.ospreyvalley.com

Huntsville Downs Golf Club
www.huntsvilledowns.com

Arowhon Pines Cottages im Algonquin Park
www.arowhonpines.ca

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