Schuld war Dieters Geburtstag. Was schenkt man einem Mann zum 50zigsten? Etwas Besonderes sollte es sein, etwas ganz Persönliches. Dann die Idee: Wir fahren mit dem Boot auf französischen Kanälen. Das, so hatte Dieter einmal erzählt, wolle er irgendwann mal machen. Wir setzten noch einen drauf und organisierten eine Woche Hausbootferien ohne Führerschein mit Golfspielen auf den schönsten Plätzen rund um Straßburg und Gourmet Schlemmen in Saverne.
In Boofzheim, etwa 30 Kilometer südlich von Straßburg, beginnt unser Abenteuer. Im Hafenbecken liegen luxuriöse Jachten, und eine davon gehört eine Woche lang Dieter, Jupp und mir. Unser Schiff heißt Crusader, ist 13 Meter lang und fast 4 Meter breit. Es gehört zur Luxusklasse. Recht groß, finden wir, doch das Schiff erweist sich als genau richtig für uns. Es hat drei Kabinen, eine Küche, einen Salon und ein großes Sonnendeck. Die kurze Probefahrt mit dem Ingenieur der Basis verläuft gut. Das Boot macht zwar nicht immer das was ich will, aber das kriege ich schon hin. „Leinen los und Richtung Straßburg“, der Kapitän bin ich!
Jupp kümmert sich um die Küche, er kennt das von zuhause. Seine Rühreier mit Schinken sind allmorgendlich ein Genuss. Frische Blumen und Servietten sind selbstverständliche Tischdekorationen. „Ein bisschen Stil muss sein,“ erklärt er, wenn er vor dem Dämmerschoppen Kerzen anzündet.
Dieter ist schon bald der wichtigste Mann an Bord. Bei meinen Versuchen, die Schleuseneinfahrt zu treffen, muss er das Schiff mit dem langen Enterhaken immer wieder vor Beschädigungen schützen. Er liest das Kapitänshandbuch, macht Eintragungen in die Flusskarte, studiert touristische Informationen und wählt die Speiselokale für den Abend aus. Ohne Dieter läuft nichts.
Wir fahren drei Stunden bis nach Plobsheim. Da liegt der Golfplatz Le Kempferhof, und den wollen wir am nächsten Tag spielen. Zum Abendessen radeln wir mit unseren Fahrrädern ins Clubhaus. Der Chefkoch empfiehlt uns seine Spezialität: Milchkalb aus den Vogesen und dazu einen fruchtig herben Muskat. An die Golfrunde morgen früh denken wir nicht. Es wird ein langer Abend.
Le Kempferhof ist der schönste Golfplatz im Elsass. Kein leichter Platz mit leerem Amüsement. Die zahlreichen Bunker und das viele Wasser demonstrieren ein überzeugendes Platzdesign. Wir sind uns einig, diese Anlage muss eine der Schönsten in ganz Frankreich sein.
Für die Nacht suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen in Illkirch und bleiben an Bord. Wozu haben wir schließlich eine Küche, und Jupp kann gut kochen, auch wenn es immer nur Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und Speckwürfeln sind.
Am nächsten Tag spielen wir den Golf Club Strasbourg. Er ist der altehrwürdige Klassiker im Elsass. Mal breit-behäbig, mal flüssig mit Spiel- und Probierlust. Breite Fairways machen den Platz scheinbar leicht, doch im Vorbeigehen lässt dieser Course nicht bezwingen. Am schönsten finden wir den „roten“ Parcours. Danach fahren wir in den Straßburger Hafen bis zum “Bassin de l´Hospital”. Von hier ist man in 10 Minuten im Zentrum.
Wer ins Elsass fährt, kommt am Choucroute, das ist das heimische Sauerkraut, nicht vorbei. Wir gehen in ein Lokal mit mittelalterlicher Gemütlichkeit und bestellen die Spezialität des Hauses, den Baeckeofe, einen Eintopf aus Ochsen-, Schweine- und Hammelfleisch mit viel Sauerkraut, und Kartoffeln. Das ganze wird mit viel Riesling übergossen. Man mag mir verzeihen, ich habe Sauerkraut zuhause besser gegessen. Wir lernen: die Küche in der Region Straßburg ist bürgerlich und üppig, mehr nicht.
Wir bleiben noch einen Tag in Straßburg, schlendern durch die historische Altstadt rund um das Münster und lernen bei einer Sightseeing-Tour auf der Ill Straßburg vom Wasser aus kennen. In der La Petite France – einst anrüchig, heute chic – bauten die Fischer und Gerber früher ihre Häuser ans Wasser. Heute sind sie meist schöne Kächele, wie die Straßburger ihre Weinstuben nennen. Ein paar Flaschen Wein und leckere elsässische Spezialitäten fürs Abendbrot und nehmen wir mit an Bord.
Der nächste Tag wird stressig. Wir wollen mit unserem Hausboot in die Innenstadt von Straßburg. Ich muss vorsichtig und langsam fahren. Immer wieder kommen mir Ausflugschiffe entgegen. „Gewerbliche Wasserfahrzeuge haben zu jeder Zeit und überall Vorfahrt“, liest Dieter im Kapitänshandbuch. Wir passieren auch den riesigen Neubau des Europa-Parlaments. Eine tolle Architektur. Geradezu majestätisch, zum Greifen nahe. Ein würdiges europäisches Baudenkmal.
Auf dem „Sauerkrautkanal“ fahren wir weiter bis in die schönste Stadt im Elsass, nach Saverne. Eine lange Strecke, 18 Schleusen wollen durchfahren werden. Wir merken, dass die Reise ganz schön anstrengend ist, und wir unser Schiff noch gar nicht richtig genossen haben. Das holen wir heute nach. Mit einem gelungenen Anlegemanöver legen wir unsere Crusader abends direkt vor das alte Schloss. Schöner kann ein Ankerplatz nicht sein. Die mittelalterlichen Häuser stehen in der Nähe des Rathauses. Da gibt es auch die viel gepriesene TAVERNE KATZ. Die Besitzerin Frau Suzanne Schmitt alleine ist schon die Reise wert. Wir hatten uns angemeldet, und sie empfängt uns wie alte Freunde. Herzliches Händeschütteln, sehr deutsch, heiterer Austausch, eher französisch. Ihr Sohn Pierre, er ist der Chef Cuisine im Haus, empfiehlt uns aus seiner hoch gepriesener Küche selbst gemachte Gänseleberpastete und den Linsentopf mit Hähnchen, Speck und Honig. Das war Gourmet-Speisen erster Klasse. Der Gewürztraminer ist von aller bester Qualität. Wir nehmen drei Flaschen mit an Bord. Es wird sehr spät.
Am nächsten Morgen schlafen wir lange. Das Bordleben fordert seinen Tribut. Die Strecke nach Lutzelburg erleben wir als den schönsten Kanalabschnitt im ganzen Elsass. Dieter angelt und holt einen 90 cm langen Aal aus dem Kanal. Warum hat er seine Angelrute nicht schon viel früher mal ins Wasser geworfen? Jupp hätte bestimmt ein gutes Abendessen daraus gemacht.
Zum Abendessen fahren wir mit dem Taxi ins LE CLOS DE LA GARENNE. Hier erwartet uns der mit Michelin Kochlöffeln dekorierte Sebastien Schmitt. Für seine Elsässischen Kollegen ist er die Nummer Eins in der Region. Der erste Stern steht unmittelbar bevor. Seine Gänseleber mit Birnen und Rauke, sein geschichteter Schellfischsalat mit Kaviar und seine Kaninchenrückenfilets mit Ziegenkäse sind so ausgezeichnet gut gemacht, dass wir uns schnell einig sind: Besser kann man nicht essen.
Mittags starten wir nach Arzviller zum Schiffsaufzug. Dieses technische Wunderwerk ersetzt 18 Schleusen. Die Technik ist denkbar einfach. Unser Schiff wird in einem riesigen offenen Eisenkasten auf einer Schräge 108 Meter nach oben gezogen. Dort öffnet sich die Schleuse, und es geht weiter. Kurze Zeit später fahren wir durch einen fast drei Kilometer langen Tunnel. Gut, dass ich unser Boot im Griff habe. Im Tunnel ist es fast dunkel. Jupp steht mit seiner großen Taschenlampe vorn im Schiff und leuchtet die Fahrrinne aus. Eine anstrengende und aufregende Fahrt. Als wir wieder freien Himmel über uns haben, atmen wir erleichtert auf. Wir haben ein tolles Erlebnis hinter uns gebracht.
Golfen und Bootsferien und dann noch exzellent essen, sind eine erlebnisreiche und aufregende Kombination.
Leinen los und Golf ahoi !
CROWN BLUE LINE
Theodor-Heuss-Str. 53, 61118 Bad Vilbel
www.crownblueline.de
TAVERNE KATZ
Tel: 0033 – 388 71 16 56
www.tavernekatz.com
Restaurant Le Clos de la Garenne
Rue du Haut Barr, Saverne
Tel: 0033 – 388 71 20 41
www.closgarenne.com
Le Kempferhof
F 67115 Plobsheim
www.golf-kempferhof.com
Golf Club Strasbourg -Illkirch
F 67400 Illkirch-Graffenstaden
www.golf-strasbourg.com
Bitte unbedingt vorher anrufen.
F A H R P L A N
1. Tag:
Abfahrt von Boofzheim bis zum Hafen Plobsheim
Abendessen im Clubhaus Le Kempferhof
2. Tag:
Golf im Le Kempferhof. Danach mit dem Schiff bis Illkirch zu einem ruhigen Ankerplatz. Abendessen ab Bord.
3. Tag:
Golf spielen im Golf de Strasbourg in Illkirch. Nachmittags bis in den Hafen “Bassin de l`Hospital” in Straßburg. Das Anlegen ist zwar gebührenpflichtig, aber empfehlenswert. Von hier ist man in 10 Minuten im Zentrum.
4. Tag:
Einen ganzen Tag in Straßburg. Unbedingt mit dem Sightseeing-Schiff fahren.
5. Tag
Mit dem eigenen Boot am Europa-Parlament vorbei in die Innenstadt. (Bei hohem Wasserstand nicht erlaubt). Etwa 7 Stunden Fahrt bis Saverne. Abends zum Schlemmern in die Taverne Katz.
6. Tag:
Fahrt bis Lutzelburg. Mit dem Taxi ins Sterne Restaurant LE CLOS DE LA GARENNE. Richtung Saverne.
7.Tag
Schleusen im Schiffshebewerk Arzviller und Fahrt durch den Tunnel bis in den Hafen von Niderviller.
8. Tag:
Fahrt bis nach Hesse zur Übergabe des Bootes.
