Es war mal wieder so weit. Wir planten unsere jährliche Männertour der Extraklasse. Schweden, Mauritius, Azoren, – da waren wir schon. Miami und Wales – machen wir mit unseren Familien. Frankreich – sehr schön, aber wohin? Irgendwann kam das mit den Hausbooten auf französischen Flüssen und Kanälen ins Gespräch, und das war es dann.
Le Boat war unsere Adresse. Im Internet konnten wir uns ein genaues Bild über die möglichen Fahrstrecken und die unterschiedlichen Bootstypen machen. Der Katalog gab uns dann die letzte Gewissheit, dass wir das Richtige gefunden hatten. Wir entschieden uns für eine Einwegfahrt mit einem Hausboot der Luxusklasse in der Bretagne. Von Rennes bis Nantes auf der Vilaine, dem Canal de Nantes á Brest und der Erdre mit der Magnifique.
Vier Männer – vier Kabinen mit jeweils eigener Dusche. 14,50 Meter lang, 4,10 Meter breit, mit zwei Steuerständen, elektrischen Toiletten, einer sehr gut ausgestatteten KombĂĽse, Fernseher und vielem mehr fĂĽr den Komfort an Bord. Schiff ahoi, acht Tage Seefahrerromantik waren gebucht.
Mit dem TGV von Deutschland nach Rennes und weiter nach Messac zum Heimathafen unseres Hausbootes, das acht Tage lang unser Zuhause sein wird. MAGNIFIQUE lesen wir am Heck. Ein imposanter Anblick. Können wir das riesige Schiff überhaupt steuern? Haben wir uns nicht zuviel zugemutet? Der Basisingenieur spürt unsere Bedenken und erklärt uns sehr sorgfältig, wie alles funktioniert. Ich werde zum Kapitän ernannt, Jupp übernimmt die Küche, Peter sorgt für Informationen über Land und Leute, und Eberhard ist für die Technik verantwortlich. Klare Absprachen an Bord sind wichtig.
Nach einer Probefahrt ĂĽbernehmen wir das Boot und fahren in die erste Schleuse. Etwas unsicher noch, doch es klappt, wir kommen ohne Andötschen durch. Gemächlich gleiten wir ĂĽber das Wasser der Vilaine bis zu unserem ersten Anleger in Langon. Hier haben auch drei Engländer fest gemacht. Wir gehen zusammen ins Hafenrestaurant und bekommen einen ersten Eindruck von der regionalen bretonischen KĂĽche. Gegrillte Langusten und “Moules frites”, dazu herben Cidre, stilecht aus der Steingut-Tasse getrunken. Etwas ungewohnt, aber lecker. An Bord wartet anschlieĂźend noch ein wĂĽrziger trockener Muscadet. Wir haben ihn von einer Schleusenwärterin gekauft.
Unsere Bootsfahrt beginnt, uns Freude zu machen.
18 Schleusen bestimmen unser tägliches Vorankommen in vielfältiger Weise. Wir warten auf den Schleusenwärter, auf entgegenkommende Boote oder auf das Ende der Mittagspause –die heilige Stunde aller Franzosen. Doch wir haben Zeit, viel Zeit. Uns treibt niemand, und wir wollen ja auch mal Pause machen. Nach 30 bis 40 Kilometern Tagesroute suchen wir uns jeden Abend eine schöne Anlegestelle. Erlaubt ist, wo es gefällt. Man kann sich in der freien Natur ein lauschiges Plätzchen für die Nacht suchen oder am Anleger eines hübschen Dorfes festmachen. Für die morgendliche Fahrt zum Baguette beim Bäcker haben wir Fahrräder an Deck.
Die Fahrt mit einem Hausboot ist die vielleicht entspannendste und stressfreieste Art, die Schönheiten eines Landes zu entdecken: Einkaufen auf den Märkten, landestypische kulinarische Köstlichkeiten in einfachen Gaststätten oder bei Sterne-Gourmets, das Durchfahren der Schleusen und die Begegnungen mit den Schleusenwärtern. Immer wieder neue Landschaften, viel Historie und überall die hervorragenden Weine. Wer das süße Nichtstun genießen will, der kann es sich auf dem Sonnendeck gemütlich machen und relaxen. Erholung pur.
Erster Höhepunkt unserer Reise ist das Künstlerdorf La Gacilly, ein sorgfältig bewahrtes Idyll an der Aff. Der abenteuerlich schmale Flusslauf fordert dem Skipper alles ab. Die Strömungen verlangen ebenso viel Aufmerksamkeit wie die Untiefen rechts und links am Ufer. Yves Rocher, der als Erfinder der Kosmetik auf Pflanzlicher Basis gilt, war 46 Jahre lang Bürgermeister dieses kleinen Ortes und hat als großzügiger Mäzen ein Juwel daraus gemacht. Hoch angesehene Künstler und Kunsthandwerker leben hier in liebevoll restaurierten, traditionell bretonischen Steinhäusern. Der Botanische Garten von Yves Rocher wirkt beeindruckend, das Open Air Festival weltbester Fotografen ist sensationell.
Zum Abendessen gehen wir ins Les Enfants Gat’thĂ©s in der Rue de Fayette. Hier kocht der moderne Traditionalist Jean-Pierre Michel. Er serviert uns einen deftigen Meeres-Eintopf nach Art der Bretagne, mit verschiedenen Fisch- und Muschel-Sorten, Kartoffeln, Broccoli und Speck in Sahnesauce. Dazu ein bretonisches Buchweizenbier aus der heimischen Mikrobrauerei.
Von La Gacilly auf der Aff und dem Canal de Nantes á Brest bis Redon ist es nicht weit. Wir machen eine Pause, denn irgendwann müssen wir Lebensmittel einkaufen. Gut, dass wir Fahrräder haben, denn bis zum Supermarkt ist es weit. Der Kühlschrank ist zwar groß, doch ewig halten die Vorräte auch nicht. Manchmal helfen aber auch die Schleusenwärter und verkaufen selbstgebackenes Brot, Obst, Gemüse und Wein.
Über Nacht bleiben wir im Hafen von Blain und essen an Bord. Wozu haben wir eine Küche. Jupp hat gut eingekauft. Es gibt gegrillten bretonischen Lachs mit Sahne und Pasta. Dazu einen Muscadet sur Lie vom Château du Cléray, den er als Kenner im Weinkeller des Supermarché entdeckt hat. Es wird ein langer Abend.
Blain kann sich eines imposanten historischen Erbes rühmen, dem Schloss „De la Groulais“ aus dem 12. Jahrhundert. Das Schloss, das zu den wichtigsten Festungen in der Bretagne gehörte, ist heute ein bedeutendes Ausstellungszentrum mit sehr vielen wertvollen Unikaten. Wir erfahren viel kulturhistorisch Neues.
Die Maximalgeschwindigkeit auf den Kanälen ist acht Stundenkilometer. Handelsschiffe sind in dieser Region kaum noch unterwegs. Begegnen sich zwei Hausboote, grüßen sich die Skipper von Steuerrad zu Steuerrad mit einem lässigen “Hallo“, als hätten sie zuvor nie etwas anderes gemacht. Irgendwann verlassen wir den Kanal und kommen in die Erdre, die bei Sucé sur Erdre ein großer See mit kleinen Inseln ist. Rennboote umkreisen uns ganz nah und lassen unsere Magnifique recht stark schaukeln. Die jungen Leute machen sich einen Spaß daraus, den Freizeitkapitänen mal Bewegung in ihr genüssliches Dahinschippern zu bringen.
In La Chapelle sur Erdre finden wir keinen richtigen Ankerplatz und fahren weiter bis Nantes. Nach acht Tagen absoluter Langsamkeit ohne Langeweile kehren wir ins “normale“ Leben zurück. Wir melden uns beim Hafenmeister und legen im Hafen am Kanaltunnel an. Bis in die City ist es nicht weit.
Die ganze Stadt scheint auf den Beinen. Nantes feiert ein großes historisches Stadtfest. Musikkapellen, Verkaufsstände, Schausteller und Unmengen von Besuchern bestimmen das Leben in der Innenstadt. Zum Höhepunkt des Festivals strömen die Menschen ins Zentrum zur größten Attraktion von Nantes, dem riesigen Wasserschloss Cháteau de Ducs aus dem 15. Jahrhundert. Im Innenhof findet eine Musikparade mit mehr als 100 Musikern statt. Die Begeisterung der Menge ist unbeschreiblich. Ihre Fröhlichkeit steckt uns an, wir feiern kräftig mit. Wir singen und tanzen, wir haken uns unter und werden untergehakt, wir fühlen uns so, als gehörten wir schon immer dazu. Franzosen können mitreißend fröhlich sein. An den Ständen der einheimischen Bauern essen wir die Köstlichkeiten der Region. Crêpes mit Kaviarcreme und die mit Käse und Schinken belegten Galettes aus dunklem Buchweizenmehl. Wir trinken herben Cidre aus der Tasse. Wir probieren den ausgereiften Ziegenbrie, einen Bleu d´Auvergne mit blauem Edelpilz und sind begeistert vom Camembert de Normandie. Wir schlürfen eine Schneckensuppe, essen Muscheln und gegrillte Hummerhäppchen mit Basilikum.
In einer Bar à Huîtres beenden wir den Tag mit Austern und einem Glas Gelbem Muskateller. Die Bezeichnung “Bar“ ist eine unverschämte Untertreibung. Sagen wir mal so: Kommen Sie im Smoking, werden Sie ganz normal behandelt, kommen Sie in normaler Tageskleidung, werden Sie ebenfalls normal behandelt. Kommen Sie in abgewetzten Shorts und ollem fleckigem T-Shirt, dann fliegen Sie raus.
Nantes war für uns eine lukullische Hochburg, eine wunderschöne Stadt.
Am nächsten Tag ist unsere Bootstour zu Ende. Der keltische Charme der Bewohner und die Schlösser, die mittelalterlichen Dörfer und ihre lokale Küche, die bunten Märkte, die oftmals hübsch mit Blumen dekorierten Schleusen und die kleinen Abenteuer an Bord unserer Magnifique waren ein wundervolles Erlebnis.
Im nächsten Jahr machen wir wieder eine Hausboot-Tour mit Le Boat. Vielleicht in Irland, in Schottland oder sogar in Deutschland. Dann chartern wir das Beste, was es derzeit bei den Hausbooten gibt: die VISION 4 mit Hybridantrieb und einem Joystick zum Manövrieren. Wir freuen uns drauf!
Le Boat Hausbootferien in Europa: www.leboat.de
Informationen ĂĽber das KĂĽnstlerdorf La Gacilly: www.paysdelagacilly.com
PS: Wer die Bootstour mit Golfspielen verbinden will, der sollte drei wunderschöne nahe Plätze spielen. Vor der Abfahrt in Rennes und nach der Ankunft in Nantes und auf jeden Fall den Golf-Bretesche.
Golf de Nantes www.golfclubdenantes.net
Der Golfplatz liegt in den Parkanlagen des Château de Buron. Er ist hügelig und technisch sehr anspruchsvoll.
Golf de Rennes St Jacques www.golfderennes.net
Ein wunderschöner Platz mit allen technischen Finessen und dem Charme eines sehr alten Platzes.
Golf de la Bretesche www.golf-bretesche.com
Kenner zählen diese Golfanlage zu den schönsten in Frankreich. Blühende Rhododendren und Hortensien säumen den vorbildlich gepflegten Course, der wegen des milden Klimas meist schon im März gut bespielbar ist.
