In Italien ist das Golfen ein bisschen anders als bei uns. Hier mag man nicht die “Schnell Aufteer“, die, kaum dass sie ihre Runde gespielt haben, auch schon wieder weg sind. Halfway-Pausen gehören zum Guten Ton. La dolce Vita geht vor allem, erst lange danach kommt Golf.
Wir haben in der facettenreichen italienischen Golflandschaft zwischen Como und dem Gardasee gespielt. Die richtigen Golfplätze zu finden, ist manchmal nicht leicht. Hinweisschilder gibt es kaum. Von Einheimischen kommt oft die Gegenfrage: „Gibt es hier überhaupt Golfplätze? Wir haben nie welche gesehen.“ Ein gut präparierter Navigator kann da sehr hilfreich sein. Sowohl die Stadt Brescia als auch die gleichnamige Provinz bieten viele touristische Ziele. Die Stadt ist als alljährlicher Ausgangspunkt der Mille Miglia bekannt. Die Provinz grenzt im Osten an den größten italienischen See, an den Gardasee. Doch auch kleinere Seen wie der Idrosee und der Iseo-See stehen Ihrer “großen Schwester“ in Punkto Charme in nichts nach. Die Zutaten sind immer gleich schön: Wälder, Berge, Wasser, Sonne und milde Temperaturen. Bei der Fahrt entlang der Ufer freuen Sie sich über malerische kleine Dörfer und die Panoramablicke über die Seen.
Höhepunkt vor dem ersten Golfspiel war die kleine Stadt Iseo am Lago d`Iseo. Wunderschöne enge Gassen mit sehr guten Geschäften. Dazu kleine, persönlich geführte Lokale, die preiswerte Erlebnisse für den Gaumen servieren. Wir waren in der Trattoria, Al Castello und aßen Carpaccio von Lavarello mit heimischem Olivenöl, gegrillte Auberginenpäckchen und Zucchini-Puffer mit Pistou. Dazu tranken wir einen roten Teroldego aus dem Trentin.
Hier ein Hinweis für Erstreisende: In vielen Speiselokalen in Italien werden bis zu 5 Euro COPERTO berechnet. Ein umstrittener “Service-Pro-Gedeck“ Betrag, über den sich viele Gäste beschweren, denn 20 Euro an einem Vier- Personen-Tisch fürs COPERTO, sind viel Geld. Fragen Sie bitte vorher danach.
Als ersten Golfplatz spielten wir den La Pinetina in Appiano Gentile. Auf diesem recht hügeligen Platz gibt es herrliche Ausblicke. An besonders klaren Tagen sieht man neben den Alpen im Norden und dem Monte Rosa Massiv im Westen die Apenninenkette im Süden. Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte sich ein Cart mieten. Der Platz ist ein Leckerbissen für Tüftler und Taktiker. Ein Klassiker aus den frühen siebziger Jahren. Wenn Sie ins Clublokal des Golfhotels gehen, kann es Ihnen passieren, dass Sie neben einem der großen Fußballstars des FC Inter Mailand sitzen, denn das Trainingsgelände dieses Traditionsclubs liegt direkt nebenan.
In dieser Gegend ist die italienische Textilindustrie zuhause. Zahlreiche Schuh- und Bekleidungsunternehmen haben Fabrikverkaufs Zentren gebaut. in dem es hochwertige Bekleidung zu günstigen Preisen gibt. Unter “Outlet Factories am Gardasee“ finden Sie die Outlets im Internet.
Der Golf Brianza Country Club liegt wie ein großes Amphitheater am Hang eines hügeligen Geländes. Mit etwas mehr als 5.400 Metern gehört die Anlage nicht zu den längsten Meisterschaftsplätzen, doch fällt es schwer, den vier Seen auszuweichen, und den Rhythmus zwischen dauernd wechselndem langem und kurzem Anspiel zu finden. Die Runde braucht an taktischen Herausforderungen keinen Vergleich zu scheuen. Man tut gut daran, die Hölzer weitgehend in der Tasche zu lassen. Das wunderschöne Clubhaus in Panoramalage mit einer sehr guten Küche hat alles im Visier.
Wer in der Gegend von Brescia ist, der sollte eine Entdeckungsreise entlang der Weinstraße der Franciacorta machen. Vorbei an kleinen idyllischen Dörfern und durch Weinberge, deren Wein ein Aushängeschild der italienischen Weinkultur ist. Wir waren im Weinkeller des Barone Pizzini, der in seinem Familienbetrieb nicht nur auf ökologische und biologische Werte höchsten Wert legt, sondern auch bei der Ketlertechnik, traditionelle und modernste Methoden so vereint, dass aus besten Rebsorten Spitzenweine werden können. Wir verkosteten einige der Schaumweine und waren uns einig: Absoluter Favorit des letzten Jahres war der Brut Nature Franciacorta. Besser als viele Champagner.
Inmitten der Weinfelder der Weinregion Franciacorta liegt der gleichnamige Golf Club. Die 27 Loch-Anlage gehört zu den Besten in Italien. Ein Parcours, der trotz jüngster Erweiterung alle Stilelemente, Visionen, aber auch Kapriolen beinhaltet. Viele Wasserhindernisse, gut gesetzte Bunker und die schnellen Greens wehren jeden Ansatz von Eintönigkeit ab. Eine Draufgabe für Risiko bereite Golfer ist das Inselgreen auf dem Rosé Parcours. Das Clubhaus hätte eigentlich ein eigenes Kapitel verdient. Nur soviel: Ich habe selten ein schöneres gesehen.
Eine wahre Überraschung erlebten wir auf dem La Rossera Golf & Country Club. Hoch oben in den Hügeln um die Stadt Chiuduno, schlängelt sich dieser Platz durch die hier so typischen Kastanien- und Eichenwälder. In herrlich sonniger Lage auf 500 m Höhe, wo der Nebel niemals hinkommt, bietet La Rossera bestes Golf in traumhafter Lage. Der Kurs ist sehr hügelig und hat viele steile Abhänge. Vor allem die Löcher, die von oben nach unten gespielt werden, erfordern hohes technisches Können. Ein geübtes Auge und wohl dosierte Schläge sind gefragt, um die vielen Gefälle gut zu nehmen und nicht in den zahlreichen Out-of-bounds zu landen. Vielen ist der Platz zu steil, mir haben die 9 Löcher gefallen; sehr gut sogar!
Wer an den Gardasee fährt, den erwartet schönes Wetter. Wenn nördlich der Alpen laue Temperaturen nur Wunschträume sind, kann man hier schon mit einem Eis in der Hand an der Mole sitzen und die Beine baumeln lassen. Wir wohnten im Hotel Porta del Sole in Soiano del Garda. Freundlich geführtes Mittelklassehotel mit guten Golfpackage Angeboten. Zum Golfplatz sind es nur wenige Minuten.
Eine klassische Säule des Golftourismus am Gardasee ist der 27 Loch Garda Golf & Country Club. Er wird von Fachleuten als einer der besten Golfplätze bezeichnet, die in den letzten 15 Jahren geschaffen wurden. Eine Anlage wie ein Landschaftsgarten am Hang der Valteneser Hügel. Fotomotive wie aus dem Bilderbuch. Die Vielfalt von Teichen und Wassergräben stellt höchste Anforderungen an die Spieler. Eine hindernisreiche Rallye durch Zypressen, Oliven, Pinien und Jahrhunderteichen. Das Clubhaus bietet von der höchsten Stelle der Anlage feinste Fernblicke – ein Panorama so gut wie die Platzpflege. Als neues Highlight der Golfregion Gardasee wird der Golfplatz Chervò Golf San Vigilio angepriesen. Der Platz hält noch nicht das, was er einmal bieten kann. Wie soll er auch, er ist erst gut ein Jahr alt und muss sich erst zur Reife entwickeln. Eine noch spröde Angelegenheit von elementarer Unauffälligkeit und mit wenigen Blickpunkten. Noch ist es für eine Abschlussbewertung zu früh. Wer aber unterwegs ist, der spürt auf jeder Bahn, dass hier Qualität heranwächst.
Zum Schluss das lukullische Highlight unserer Golfreise: In Puegnano sul Garda, im südwestlichen Hinterland des Gardasees überrascht die kleine Trattoria Agriturismo I Vegher mit einfachen, aber außergewöhnlichen Gerichten. Olivenöl, Obst und Fleisch stammen aus eigenem Anbau bzw. aus eigener Zucht. Unbedingt vorbestellen. Ein echter Geheimtipp!
La Pinetina Golf Cub in Appiano Gentile – www.golfpinetina.it
Golf Brianza Country Club in Usmate Velate – www.brianzagolf.it
Franciacorta Golf Club in Corte Franca – www.franciacortagolfclub.it
La Rossera Golf Club in Chiuduno – www.rossera.it
Garda Golf in Soiano del Lago – www.gardagolf.it
Chervó Golf San Vigilio in Pozzolengo – www.chervo-golf-sanvigilio.it
Hotel Porta del Sole in Soiano del Lago – www.hotelportadelsole.it
Agriturismo I Vegher in Puegnano sul Garda – Tel. +39 0365-654479
