“Go your own way“ trällern Fleetwood Mac auf 92,1 FM aus dem Autoradio. Der beliebte Lokalsender von Ocean City bringt Gute-Laune-Musik rund um die Uhr, und auch jetzt bei der Fahrt über die lang gezogene Baybridge Rou-te 50 geht das Herz auf. Ein seichter Wind weht über die Bucht, die das Festland von der Landzunge mit dem Touristenort Ocean City trennt. Es ist traumhaft schönes Wetter hier an der Ostküste von Maryland, und die Ver-lockungen von breitem Strand und typischen Atlantikwellen sind fast so groß wie die Vorfreude aufs Golfen in Eagle’s Landing.
Keine 15 Minuten dauert die Fahrt aus der quirligen Touristenstadt hinaus aufs freie Land, wo Shoppingcenter, Restaurants, Landhäuser und ein klei-ner Flugplatz den Weg zum Golfplatz säumen. Ein stählerner Adler über dem Glockenturm am Clubhaus zeigt den Weg – der Adler muss hier gelandet sein. „Klar sind Sie hier richtig!“ strahlt Steward Garmon, der 45jährige Assistant Manager des Clubs und lädt uns zum Interview in den Proshop. Hier bedient der Chef noch selbst, denn es ist viel los an diesem Tag, „aber so ist das bei uns meistens“ meint Steward, während wir uns unterhalten. Sie werden schon noch sehen warum. Aber wir haben wirklich Platz genug!“ Damit hat er recht.
Eagle’s Landing ist ein städtischer Golfclub. „Es gibt ein paar – na ja, nen-nen wir sie mal so – Mitglieder. Aber die meisten Leute, die zu uns kommen sind Touristen“, erklärt der Manager, während er Scorecards ausgibt und T-Shirts verkauft. „Aber wer uns kennt, der kommt auch wieder!“ Die Stadt Ocean City legt viel Wert auf ihre Courses, denn die Golfer sind neben den Badetouristen eine der wichtigsten Zielgruppen. 16 Plätze finden sich im Einzugsgebiet der Gemeinde mit ihren Vorstädten Ocean Pines und Berlin. Die hier buchbaren Golf Packages füllen ein dickes Heft, das jährlich neu aufgelegt wird, und auf das die Pressesprecherin der Stadt Donna Ab-bott besonders stolz ist. „Wenn Sie unseren Planer nicht als Papiervorlage bekommen, dann gehen Sie einfach auf unsere Golfseite www.oceancitygolf.com, und Sie werden sehen, wie riesig die Auswahl ist.“ Stimmt! Allein über diese Seite können Interessenten mehr als 40 Hotels an-klicken. Der Rest erledigt sich fast von allein: Die Hotels buchen je nach Prä-ferenzen der Gäste die Plätze, die Häufigkeit der Spiele und auf Wunsch na-türlich auch ein Beiprogramm für Familienmitglieder, die andere Aktivitäten bevorzugen. Eine einfache Menüführung erlaubt schnelles Springen zwi-schen Hotels, Plätzen, Sonderangeboten, Tournieren, Saison-Specials un-dundund …
Aber zurück nach Eagle’s Landing. Der Course mit seinen 18 Löchern wurde 1991 angelegt. Und weil auch hier gilt „Americans like it big“, erstreckt sich die längste Runde über 7 Kilometer. Es lohnt sich also, eines der Golfmobile zu schnappen und eine Runde zu drehen. Wie auf einer alten DDR-Autobahn rattert der Wagen über den Plattenweg, und während wir das Clubhaus langsam hinter uns lassen, wird schnell klar, warum Eagle’s Lan-ding zu einem der beliebtesten Plätze im Bundesstaat Maryland zählt. Hier ist Wasser Trumpf, und unter anderem deshalb sind die Besucher doch auch nach Ocean City gekommen. Der Club greift das Familienimage der Stadt auf, familiär geht es auch bald an den Löchern zu. Man ist freundlich, bleibt für einen Schwatz stehen, winkt und wünscht „good luck“.
Schon an Loch 6 landen wir einem kleinen See mit Springbrunnen. Aber ab-lenken gilt nicht, obwohl es schwer fällt, nicht den Blick über die wunderba-re Anlage und die immer wieder wechselnden Landschaften schweifen zu lassen. Schon bald danach beginnt die atemberaubende Salzwasser-Sumpflandschaft der Sinepuxent Bay. Über einen romantischen Holzsteg rumpelt das Golfmobil durch die wilden Gräser, in denen sich die Brutplätze für viele bedrohte Vogelarten verstecken. Aber schon viel zu schnell haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. Loch 12 mit einem neuerlichen See und gemeinen Bunkern erweist sich als schwer. Aber was soll’s. Wir sind im Urlaub, und hier kennt uns niemand. Der ganz persönliche Ehrgeiz allerdings nagt, das muss auch so sein.
36.000 Spieler kommen durchschnittlich pro Jahr nach Eagle’s Landing. „Unser Spitzenjahr war 1997 mit 55.000 Besuchern – aber da gab es auch noch nicht so viele Golfplätze in Ocean City“, erklärt Steward Garmon. Die besten Zeiten zum Spielen sind hier März bis Mai und dann noch einmal im Herbst September und Oktober. „Also wenn am Meer nicht mehr so viel los ist, geht’s bei uns erst oder wieder richtig rund“ schwärmt der Manager. „Dann sind auch die Hotels nicht mehr so voll belegt und günstiger, das Klima ist mild und sehr angenehm. Besser geht’s eigentlich nicht mehr“ sagt er und zwinkert fröhlich.
Auf dem Weg zurück ins Touristenmekka Ocean City halten wir noch kurz bei John Ruddo an. Der 43jährige ist Local PGA Professional und seit 1991 im Geschäft. Wobei man Geschäft ganz wörtlich nehmen darf, denn neben seinen Aktivitäten als Golfprofi und als Trainer betreibt er mit Kompagnon Bret Marshall die Ruddo’s Golf Läden. Die Superstores bieten neben allem Zubehör vor allem auch Kleidung und Schuhe. Auch er bricht eine Lanze für die Golf Packages, die von den Hotels angeboten werden. „Eine bessere Mi-schung aus spannenden Plätzen, wunderschönen Szenerien und den unter-schiedlichsten Landschaften kann man in so kurzer Zeit gar nicht bekom-men!“ Trotzdem hat natürlich auch John seinen Lieblingscourse. Eagles Landing „natürlich“.
Ocean City
Ocean City liegt auf einer Landzunge direkt vor der Küste von Maryland. Nur zwei Stunden bis Washington D.C., zwei Stunden bis Baltimore und knapp vier Stunden bis Philadelphia stellen für amerikanische Verhältnisse keine Entfernung dar, und so ist die Stadt vor allem an Wochenenden ein Magnet für Badefreunde, Golfer, Angler und Hochseefischer. Die Gemeinde am At-lantik ist im wahrsten Sinne des Wortes sehr flexibel: Eigentlich wohnen hier nur 8.000 Menschen, aber an guten Sommerwochenenden finden bis zu 400.000 Gäste Platz am Meer und in den unzähligen Bars und Restaurants. O.C., wie es liebevoll genannt wird, hat als Trumpf einen scheinbar unend-lich langen feinsandigen Strand, der liebevoll gehegt und gepflegt und ge-säubert wird. Ihn säumt der Boardwalk, die Promenade. Auf den dicken Holzbohlen bündeln sich Restaurant und Bars, Andenkenläden und Hotels – hier pulst in den Sommermonaten das Leben so uramerikanisch fröhlich und sonnenhungrig. Ocean City will sich aber nicht nur auf Meer und Strand verlassen. Vor allem Golfer lockt ein breites Angebot an meist städti-schen Clubs und Plätzen. Buchungen können über die zentrale Website www.oceancitygolf.com erfolgen. Aber auch Kongresse, Parteitage und Ver-sammlungen von Religionsgemeinschaften streben in die Stadt mit der güns-tigen Verkehrsanbindung und sorgen so dafür, dass auch im Winter nur sel-ten die Lichter ausgehen in Ocean City.
