Rambo golft

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Weltbekannt machten ihn seine Filmrollen als „Rocky” und „Rambo“ – sein treuer Hundeblick inbegriffen. Lange Zeit war Muskelmann Sylvester Stallone in der Versenkung verschwunden, kommt aber offensichtlich mit dem zurĂĽck auf die Leinwand, das ihn berĂĽhmt gemacht hat und offensichtlich das einzig richtige erfolgreiche Genre in Stallones Filmleben zu sein scheint. Die Produktionsfirmen Nu Image und Millennium Films haben sich die Rechte an Rambo gesichert haben, wollen einen vierten „Rambo“ finanzieren und natĂĽrlich Kasse machen – so wie frĂĽher die anderen. Wenn im kommenden Jahr die Dreharbeiten in Sofia, Indien und den USA beginnen, ist Sylvester Stallone 60 Jahre alt, eigentlich kein Alter, um mit utopischen Maschinen-Gewehren und dem riesigen Ăśberlebens-Messer fĂĽr das Gute zu kämpfen. Vielleicht ist des Schauspielers Leidenschaft – das Golfen – eine Beschäftigung fĂĽr den Fast-Rentner, die ihm heute besser zu Gesicht steht.

Das Drehbuch für den vierten Teil der Kämpfer-Saga hat er selbst adaptiert. Um „Rambo“ eine Vita zu geben, hat ihn der Regisseur zwischenzeitlich eine Familie gründen und sesshaft werden lassen. Klar, dass die Familien-Idylle nicht lang anhält, denn irgendwo im Hinterland der Vereinigten Staaten gerät der indianisch-stämmige Einzelkämpfer mit weißen Rassisten aneinander. Seine zehnjährige Tochter wird gekidnappt. Der Cineast darf angesichts der Demütigungen durch die Rassisten mit großer Genugtuung erwarten, dass im Familienvater der alte Elite-Kämpfer „Rambo“ erwacht und das Böse mit der üblichen Anwendung von Gewalt und dem gewohnten Waffen-Arsenal vernichtet wird… Produzent Avi Lerner stellte sogar einen fünften Teil in Aussicht. Dann aber am besten gleich mit dem vierten Teil gemeinsam drehen, denn als Großvater dürfte Rambo keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Keine Rambo-Mentalität demonstriert Sylvester Stallone beim Golfen. Er ist oft bei Charity Turnieren, unter anderm der Laureus Stiftung dabei. Nur wenige wissen, dass er zuvor zwei Jahrzehnte einen anderen, nämlich den Polo-Schläger geschwungen hat. Kein Wunder also, dass bei den Reit-Szenen in Stallones Filmen kein Double gebraucht wurde. Stallone braucht das Golfspiel zum Abbau von Stress und zur mentalen Aufrüstung. „Golf ist ein Spiel mit sehr viel Psychologie, das in dein Blut übergeht. Es ist hundert Prozent Psychologie“, sagte er einmal der Talkerin Ann Liguori, „weil Du gegen Dich selbst spielst und kein anderer da ist, dem du die Schuld geben kannst! Wenn man aber erst einmal das Image eines Super-Boxers oder Elite-Kriegers hat, dann meinen die Leute automatisch, du bist in allen Dingen gut. Das ist aber gerade nicht so. Golf ist das Spiel der Unvollkommenheit. Ich habe an ihm härter gearbeitet als an irgendeinem Teil meiner Karriere und habe gemerkt, dass ich von der Psychologie dieses Spiels völlig in Anspruch genommen werde”.

Zwei Zahlen zu Sylvester Stallone: Intelligenz-Qotient 150, Handicap 10. Beides erstaunlich! Vor jedem Golfspiel freut sich der Schauspieler, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt („I was born in Hell’s Kitchen, New York City.“) auf die Zigarre. Das hat er mit Bill Clinton gemeinsam. „Damit will ich keinen belästigen“, beschwört er im Land der Nichtraucher. Stallone spielt noch nicht allzu lange Golf. „Ich war damals sehr neugierig auf das Spiel, das ich zu Beginn nicht unbedingt spannend fand. Ich war eigentlich erstaunt, dass so viele Menschen von diesem sonderbaren Spiel begeistert waren, das ĂĽber so viele Jahre hinweg als Sport fĂĽr alte Männer galt. So spielte ich erst einmal Polo und versuchte den Mythos Golf zu zerstören, der jede Woche Stunden ĂĽber Stunden im Fernsehen rechtfertigt. Wer, in Gottes Namen sitzt so lange vor der Flimmerkiste? Ich kannte damals keinen einzigen Golfer und riskierte trotzdem zwei erste Tage Golf. Es war grausam. Aber mein Trainer meinte immer wieder: ‚Oh, that’s wonderful, Mr. Stallone. That’s wonderful’, obwohl ich sprichwörtlich Elefantengräber ausgehoben hatte. In einem Divot konnte eine Familie mit fĂĽnf Elefanten Platz finden. So schlimm war das!”

Sylvester Stallone führte eine Schlacht gegen seinen rebellierenden Körper, so vielleicht wie Rocky Balboa, der nach vielen Jahren wieder in den Ring steigen musste. Er verlangte allerdings von seinem Körper nur eins, „die blöde weiße Kugel zu treffen!“ Sein athletischer Körper schaffte es. Es gibt keinen präziseren Sport auf der Welt als Golf“, weiß Stallone mittlerweile, „und genau das macht die Faszination dieses Sports aus.“

Für Sylvester Stallone ist das Golfspiel ein Fenster in die Persönlichkeit seiner Mitspieler. „Ich habe mit den besten Pros der Welt gespielt, aber auch mit Leuten, „denen man die Arme amputieren sollte, weil sie eine ernste Gefahr für sich und die anderen sind. Ich habe auch kein Verständnis für Leute, die sonst eine gute Lebensweise haben, dann aber auf den Golfplatz kommen, ihn niederringen wollen und schockiert und verärgert sind, wenn etwas nicht gelingt, was selbst sogar einem Pro nicht gelingt. Mit solchen Leuten spiele ich nie wieder. Lieber spiele ich allein. Das Beste am Golf ist meiner Meinung, es nicht für meinen Lebensunterhalt tun zu müssen – also nicht unter Druck. Ich tue es für nothing”, sagt er gelassen und kann nicht verstehen, warum sich andere über irgendetwas ärgern. „Das Golfspiel ist die perfekte Gelegenheit, um Kontrolle über sich zu erlernen“, weiß selbst Rambo.

1946 in New York geboren, wuchs Sylvester Stallone allerdings in Philadelphia auf. Er schlug sich durch, was ihm eine Nervenlähmung im Gesicht erschwerte. An eine Karriere im Show-Business sei gar nicht zu denken, meinten seine Lehrer. Dennoch ließ er von diesem Ansinnen nicht ab, sondern übernahm im Schultheater erste Rollen, feierte aber auch als Football-Spieler Erfolge in der Landesliga. Zwei Jahre Ausbildung im US-College in Genf kamen noch hinzu, bevor er sich an der Uni in Miami einschrieb und sich als Autor versuchte. Die Karriere als Schauspieler war ihm allerdings wichtiger als der Highschool-Abschluss.

Sie begann mit Theaterstücken und kleineren Filmrollen in New York. Seine erste Hauptrolle war die in einem Pornofilm. Aushilfs-Jobs sorgten für das nötige Zubrot. 1974 die nächste Hauptrolle in „Brooklyn Blues“. Schließlich ließ sich Sylvester Stallone von Cassius Clay inspirieren und erschuf zwei Jahre später mittels eines handschriftlichen Drehbuchs die Figur des ehrgeizigen Boxers Rocky Balboa. Die Produzenten hatten auf jeden Fall kein Interesse daran, das Drehbuch auch mit dessen Autor zu verfilmen. Stallone setzte sich jedoch beharrlich durch, was ihn mit drei Oscars zum Weltstar machte. Auch die Fortsetzung wurde ein Kassenknüller. Ebenso wie seine Rolle als Vietnam-Kämpfer John Rambo. Sylvester Stallone hatte aber auch Erfolg als Regisseur, Produzent und Autor. Trotzdem war von ihm immer die Aussage gekommen, die Fortsetzungen seiner Rambo- und Rocky-Filmen hätten nie kommen dürfen. Jetzt kommt es allerdings anders.

Sylvester Stallone, der gemeinsam mit Muskel-Kollege Arnold Schwarzenegger auch Mitinhaber der Erlebnis-Restaurant-Kette „Planet Hollywood“ ist, hätte vielleicht auch ein Auskommen als Maler, denn seine Bilder erzielen mittlerweile Preise von rund 60 000 Dollar. Stallone ist Kunstsammler, Mitglied der staatlichen Kunstkommission und zitiert Shakespeare – Eigenschaften, die in der restlichen Welt noch nicht angekommen sind. Denn einmal Rambo, immer Rambo – der Inbegriff für sinnlose Gewalt, gepaart mit Dummheit.

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