Jodie hat allerdings wieder ein paar Kilo mehr auf den mageren Rippen und freut sich, dass es bei der London’s Fashion Week mittlerweile eine Ethik-Sektion gibt, die Mager-Dürre nicht mehr zulässt. „Seit ich zugenommen habe, bin ich stärker und gesünder. Mehr Frauen können sich jetzt mit mir identifizieren.“ Geht doch… Allerdings seien viele Designer jetzt nicht mehr an ihr als Model interessiert. „Sie wollen mich dünner und weniger muskulös – aber ich bin absolut happy mit meiner Figur.“ Auf unzähligen Titelseiten von Hochglanz-Magazinen war das unternehmungslustige Girl zu sehen und lief für Chanel, Gucci, Prada und Calvin Klein über den Laufsteg. Nur mit einem schwarzen Höschen und einem vorne offenen schwarzen Umhang von Designer Matthew Williamson bekleidet erschien Jodie Kidd vor ein paar Jahren auf der Londoner Modewoche. Das wäre nicht so beachtenswert gewesen, wenn Jodie nicht noch einen Heiligenschein getragen hätte. „Mode verhöhnt Christentum“, titelte damals eine Zeitung.
Ebenfalls in the City of London: Es herrschte erhöhte Unfallgefahr. Der Grund war ein Plakat, auf Jodie Kidd sich komplett hüllenlos präsentierte. Für die neue Werbekampagne der Modefirma Monsoon posierte die Blondine mit dem Schmollmund auf einem Schimmel – splitterfasernackt. Pferd und Jodie Kidd, das passt zusammen, denn auch im Sattel präsentiert sie sich als passable Polo-Spielerin spektakulär. Sie spielt so gut, dass sie sogar für England bei den „Polo Women’s World Championchips“ im Sattel saß und den Schläger schwang. Nebenbei lernte sie beim Polo auch ihren damaligen Lover, den Polo-Spieler Tarquin Southwell kennen. Das Glück der Erde… Geheiratet hat sie allerdings vor zwei Jahren den Internet-Unternehmer Aidan Butler.
Mit solcher Berühmtheit ausgestattet darf man ruhig auch einmal nach den Sternen in Hollywood greifen und streuen, sie wäre gerne an der Seite von Daniel Craig das neue Bond-Girl in Casino Royale geworden und wäre sogar angesichts ihres action-geladenen Lebensstils prädestiniert dafür. Wie wir alle wissen, war daraus nicht geworden, denn wie sie sich danach richtig einschätzte: „Ich wäre gerne ein Bond-Girl gewesen, aber die Produzenten haben mich noch nicht entdeckt.“ Dabei hatte sie gesagt, alles dafür tun zu wollen, auch die Stunts selbst übernehmen zu wollen. „Ich wäre am Ende wahrscheinlich cooler als James selbst. Ich könnte das coolsten Bond-Girl aller Zeiten werden“, ist Jodie von sich überzeugt. Sie hätte dann Ursula Andress („James Bonnd jagt Dr. No“) abgelöst, die nach einer Umfrage immer noch das beste Bond-Girl aller Zeiten ist. Mutig, mutig, wenn wir uns an den neuen Bond-Streifen erinnern.
Action spielt im Leben der Jodie Kidd eine große Rolle. In der Garage der rasenden Blondine stehen ein modifizierter Maserati, ein Ferrari und ein Lamborghini Murcielago. Gesehen wird Jodie nicht selten im britischen Renn-Mekka Silverstone. „Ich bin schon in die Reifenstapel gerast. Im Vergleich dazu ist der Laufsteg entsetzlich“, lacht sie. Als den gefährlichsten Sport stuft sie allerdings Polo ein, denn ihre Kollegen in der Modebranche hatten sich früher Sorgen gemacht, sie könne vom Pferd fallen und sich beide Beine brechen.
Wenn es auch ab und an ein Reifenstapel ist, Jodie kann auch erfolgreich heizen. Die „Queen of the Rain“ – wie sie wegen ihrer Fähigkeit heißt, auch unter schlimmsten Bedingungen schnell Auto zu fahren – überraschte uns alle, als sie mit ihrem Maserati am „Maserati Trofeo Pro-Am“ im italienischen Bologna nicht nur teilnahm, sondern auch noch den zweiten Platz schaffte. „Das ist war erst mein drittes Rennen und ich hätte niemals erwarten zu gewinnen. Ich möchte meinem Beifahrer Fabio danken, dessen Rat mir immer äußerst wichtig ist und den Teams bei Maserati und Pirelli, die mir beigestanden haben. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Rennen.“ Anschließend gestand die rennfreudige britische Lady, dass sie trotz ihres einschlägigen Rufs doch ein wenig Angst gehabt habe, denn es hatte kurz nach dem Start heftig zu regnen begonnen. Jodie hatte allerdings die Nerven behalten. So etwas flößt uns Respekt ein… Beim Goodwood Festival of Speed fuhr sie in ihrem Maserati Spyder sogar die schnellste Promi-Runde. Ihre bisherige Höchstgeschwindigkeit: rund 320 k/mh.
Die Liebe zu Sportwagen hatte ihr wohl ihre Verwandtschaft eingehaucht. Vater John Edward Aitken Kidd besaß einen Jaguar E-Type und ihr Cousin eine Ferrari-Sammlung. Ihr erster Wagen war übrigens ein VW Polo. Jodie hasst die englische Autobahn vor allem den M 25. Die Inhaberin der Internationalen C-Renn-Lizenz heizt lieber mit einem Maserati Trofeo Rennwagen rund um Mugello. Die Tipps für besseres Fahren kommen unter anderem von keinem Geringen als von Ferrari-Pilot Felipe Massa. Chauffieren lässt sich Jodie allerdings gerne in einem Maserati Quattroporte.
Sie reitet, fährt und sie golft auch wie der Teufel. Sie macht eben keine halben Sachen. Anfang Oktober ist sie garantiert wieder beim Pro-Am der Dunhill Links Championships auf dem Old Course von St. Andrews in Kingsbarns und Carnoustie dabei. Dann trifft sie auch wieder auf Samuel Jackson, Hugh Grant, Catherine Zeta-Jones oder Michael Douglas, alles Stars aus der Traumfabrik, in der sie doch auch so gerne arbeiten möchte. Ihr erster Auftritt auf den drei Plätzen bescherte ihr einmal 13 (Kingsbarns), einmal 14 (Carnoustie) und einmal 13 (Old Course) über Par. Das schwere Road Hole auf dem Old Course spielte sie sogar par. Vielleicht lag das daran, dass sie die Proberunde mit Hugh Grant gespielt hatte. Klar, dass ein Model, das Golf spielt, auch eigene Golf-Mode entwickelt. Auf der zurückliegenden ISPO stellte sie ihre Golfschuh-Linie vor, an deren Design sie maßgeblich beteiligt war, wie sie betont.
Die Öffentlichkeit nahm von Jodie Kidd als gute Golferin das erste Mal bei einem Chartity Pro-Am auf Barbados Kenntnis. Auf Barbados hat die Kidd-Family ein Plantagen-Haus, das Großmutter Janet in den vierziger Jahren erworben hatte und heute als Ferien-Domizil genutzt wird. Über ihren Vater war sie an eine Einladung gekommen. Sie war die einzige Frau im Feld und wurde auf Anhieb Vierte, was die Zeitung zu Lobeshymnen hinriss. Jodie schlägt mehr als 200 Yards ab, klagt ein wenig über ihre Eisenschläge, puttet und chippt allerdings ausgezeichnet. Ihre Lehrstunden bekam sie von ihrer Trainerin Sandy Lambert, die ihr den Schaukel-Schwung und damit den Slice austrieb, ihr zeigte, wie man mit einem Eisen 7 oder 8 chippt. „Ich habe gelernt, dass Golf ein stark Kopf gesteuertes Spiel ist. Man muss lernen, sich auch dann zu entspannen, wenn der Ball im Bunker landet. Man muss von sich verlangen, komplett ruhig zu sein. Es ist eine richtige Schlacht. Ich liebe das!“, sagt eine leidenschaftliche Golferin, die gerne bald ein einstelliges Handicap auf ihrer Score-Karte eintragen möchte. Für sie bedeutet das, jeden Tag Golf.
Das Ex-Model bezeichnet sich gern als Country-Girl – kein Wunder mit acht Pferden und fünf Hunden, davon zwei Jack Russels, ein Schäferhund, ein Labrador und ein Retriever. Am liebsten läuft sie in Jeans und T-Shirts herum. Eines kann Jodie kaum noch erwarten: Das erste Red Bull Air Race in London, wenn die Piloten mit ihren Maschinen bei Greenwich über die Themse fliegen und sich dabei auf den Rücken drehen. Sie selbst war schon in einem Harrier Jet dabei und hat das komplette Looping-Portfolio begeistert überlebt. Wenn wir das alles gelesen haben, dann ist der Job als Girl im Nächsten Bond vielleicht doch nicht mehr so fern…
