Es scheint fast so, als gehöre Golf in den USA zur Präsidentenpflicht. Fünfzehn der letzten achtzehn Präsidenten spielten Golf. Barack Obama, der 44. Präsident der Vereinigten Staaten, bildet da keine Ausnahme. Vor dreizehn Jahren schlug er das erste Mal ab – nur öffentlichen Auftritten auf dem Grün ist der 47-jährige Linkshänder seither aus dem Weg gegangen. Das hat sich seit seiner Wahl zum Präsidenten der USA geändert. Während seines Neujahrsurlaubs durfte sich die amerikanische Nation erstmals ein Bild von den golferischen Fähigkeiten ihres neuen Staatsoberhauptes machen. Gemeinsam mit Freuden aus Chicago spielte er drei Runden auf dem 18-Loch Par-72 Platz in Waimanalo auf Hawaii und ließ sich dabei erstmalig fotografieren und filmen. Nach seinem öffentlichen Golfspiel, das seitdem auf Youtube für Jedermann zugänglich ist, war sich die sportliche Fachwelt schnell einig: Dem mächtigsten Mann der Welt fehlt beim Schwung noch der richtige Drive.
„Er dreht sich nicht richtig beim Rückschwung auf und das nimmt ihm alle Power“, analysierte Butch Harmon, der derzeitige Schwungguru des Weltranglistendritten Phil Mickelson. Und der britische Golftrainer David Leadbetter, der schon Nick Faldo, Ernie Els und Greg Norman trainierte, rät zu einem stärkeren Griff für mehr Power. Dass aber Obama bereits mit Tiger Woods, zu dem er seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis pflegt und der im Vorfeld der Amtseinführung eine flammende Rede für den designierten Präsidenten hielt, intensiv an der Verbesserung seines Scores arbeitet, bleibt ein Gerücht. Mit einem selbst angegebenen Handicap von 16 rangiert Barack Obama in der von „Golf Digist“ veröffentlichten Rangliste der Golf spielenden US-Präsidenten auf dem achten Platz – einen Platz hinter seinem direkten Vorgänger George W. Bush (Hc 15) und vier Plätze von einem einstelligen Score entfernt. Wie Obama aber bereits in einem Interview verlauten ließ, will er sich erst nach seiner Amtszeit auf ein einstelliges Handicap konzentrieren.
Das sich der Weg dorthin auch mühelos vom Oval Office aus ebenen lässt, hat Bill Clinton bereits vorgemacht. So ließ er sich regelmäßig per Eskorte in den Army Navy Club chauffieren und verbesserte sein Handicap während seiner Amtszeit von 17 auf 12. Allerdings war auch Clintons Vorliebe für „Mulligans“, das straflose Wiederholen von Schlägen, kein großes Geheimnis in der Fachwelt. Nicht viel besser verhielt es sich auch bei Richard Nixon, der zum Erstaunen aller Beteiligten einmal eine 79er Runde hinlegte und danach nie wieder spielte. Wie weit die Liebe zum Golfsport unter den US-Präsidenten gehen kann, bewies aber am eindrucksvollsten Dwight D. Eisenhower. Der zweifelsohne größte Golffanatiker unter den amerikanischen Präsidenten ließ sich nach seiner Amtsübernahme im Jahr 1953 im Garten des Weißen Hauses sein eigenes Putting-Green anlegen und selbst im Oval Office soll er mit seinen Golfschuhen auf und ab marschiert sein. Dennoch ließ der Erfolg auf dem Platz auf sich warten, wie der legendäre „Eisenhauer Tree“ in seinem Heimatclub Augusta National bezeugt. Eisenhower traf zu Beginn seiner Amtszeit derart oft die zwanzig Meter hohe Tanne bei Loch 17, dass er sie sogar beseitigen lassen wollte. Die Clubverantwortlichen weigerten sich allerdings, seinem Wunsch stattzugeben.
Für John F. Kennedy, der unumstritten als größten Talent unter den golfenden US-Präsidenten gilt, wäre der „Eisenhower Tree“ wohl kein nennenswertes Hindernis gewesen. Ihn plagten beim Golf spielen vielmehr seine chronischen Rückenschmerzen. Dennoch kam Kennedy im Schnitt mit achtzig Schlägen pro Runde aus und von seinem athletischen und flüssigen Schwung, könnte sich auch Barack Obama inspirieren lassen. Mit seinem Vizepräsident Joseph Biden (Hc 8) hat Obama bereits einen vorzüglichen Golfer mit ins Weiße Hause geholt. Und mit Biden an seiner Seite stehen die Chancen gut, dass es Obama nicht so ergeht wie Calvin Coolidge, dem schlechtesten Golfer unter den letzten 18 Präsidenten. Denn der ließ sein Golfbag samt Schläger frustriert zurück, als er 1929 seinen Platz im Oval Office räumen musste.
Golfende Präsidenten
1. John F. Kennedy –Trotz chronischer Rückenschmerzen stets 80er Runden.
2. Dwight D. Eisenhower – Hatte sein eigenes Putting-Green hinterm Oval Office bauen.
3. Gerald R. Ford – Etwas ungelenk, aber immer gut für eine 80er Runde.
4. Franklin D. Roosevelt – Polio raubte ihm mit 39 Jahren seinen kraftvollen Schwung
5. George H.W. Bush – Schaffte in seiner Amtszeit ein Handicap von 11.
6. George W. Bush – Obamas Vorgänger spielte mit gutem 15er Handicap.
7. Bill Clinton – Dank vieler Mulligan schaffte er oft 90er Runden
8. Barack Obama – Dem Linkshänder fehlt es noch am richtigen Schwung
9. Ronald Reagan – Spielte nicht oft, dafür aber mit durchschnittlich 90 Schlägen.
10. Warren G. Harding – Scheiterte immer wieder unter 95 Schläge zu kommen.
11. William Howard Taft – Im Amt eine ebenso unglückliche Figur wie auf dem Grün.
12. Woodrow Wilson – Spielte oft, konnte die 100 Marke aber nie knacken.
13. Richard M. Nixon – Schaffte einmal eine 79 Runde und spielte dann nie wieder.
14. Lyndon B. Johnson – Golfte gern mit Senatoren, um auf Stimmenfang zu gehen.
15. Calvin Coolidge – Als er seinen Platz räumen musste, ließ er seine Schläger zurück.
