Peter Neururer, eine schillernde Persönlichkeit

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Peter Neururer in Siegerpose

In Fußballmagazinen und BoulevardblĂ€ttern war Peter Neururer ein Reizthema. Er wurde hoch gelobt und dann kritisiert. Mal war er der „Held von Bochum“ dann ein „Blender ohne Substanz“, mal nannte man ihn „Peter der Große“, kurze Zeit spĂ€ter war er ein „Maulheld mit Schnauzbart“. Gleich, wie man ihn einschĂ€tzt, eine schillernde Persönlichkeit ist er allemal, und wer will behaupten, dass er kein guter Bundesligatrainer war? Er hat sich Freunde und Feinde gemacht; Respekt vor ihm hatten sie alle.
Als ich erfahre, dass er Golf spielt, verabreden wir uns zu einer Runde auf dem Platz des Golfclubs Haus Leythe. Die Anlage strahlt mit seinem historischen alten Herrensitz eine wohltuende, private AtmosphĂ€re aus und hebt sich damit von den oft aufgesetzt inszenierten Betriebsamkeiten anderer Golfclubs ab. Vor der Runde setzen wir ins Clubhaus und Peter Neururer erzĂ€hlt. „Dies ist mein Heimatclub, und hier treffe ich mich mit meinen Schalke-Spezis. Das sind alles Nationalspieler. Klaus Fischer, Olaf Thon, Andy Möller, Karl-Heinz Riedle und die Kremers Zwillinge. Die spielen von der QualitĂ€t her Golf in einer Etage ĂŒber mir, da kann ich mit meinem Handicap 17 nicht mithalten. Trotzdem ist es wie beim Fußball auch“, lacht er, „die können besser spielen, aber ich habe mehr Ahnung.“

Er ist ein Mann der kernigen SprĂŒche. Dass manches ironisch gemeint ist, versteht leider nicht jeder. „Zurzeit bin ich frei und nirgendwo unter Vertrag, aber das ist allen namhaften Trainern schon mal so ergangen. Wenn ich einen Trainervertrag unterschreibe, weiß ich, dass ich eines Tages entlassen werde. Lebenslange Anstellungen gibt es nicht. Wenn ich Sicherheit im Beruf gewollt hĂ€tte, hĂ€tte ich Beamter werden mĂŒssen “, sagt er. “Komm’, lass’ uns auf den Platz gehen, sonst quatschen wir uns hier fest.“

Peter Neururer hat mit dem Golfspielen begonnen, als er als Cheftrainer des 1. FC Köln mit seiner Mannschaft 1998 an der Algarve im Trainingslager war. Er ist ein Hasardeur-Golfer, immer volles Risiko. Schwierige Hindernisse versucht er stets direkt zu ĂŒberspielen. „So spiele ich mit meinen Schalke-Kumpels auch. Immer volle Pulle, wer Beamtengolf spielt, wird ausgebuht“, schmunzelt er. „Ich bin Autodidakt, richtige Trainerstunden habe ich nie gehabt. Ich gucke und praktiziere Learning bei Doing.“ DafĂŒr, dass er nie beim Golftraining war, hat er einen erstaunlich harmonisch guten Bewegungsablauf.

Peter schreibt unsere SchlĂ€ge auf. Nach jedem Loch erklĂ€rt er mir lauthals, wer von uns gerade der Bessere ist, denn wir zocken um Kaffee und Kuchen. Wenn er hinten liegt, ist er relativ ruhig, wenn er fĂŒhrt, redet er fast pausenlos. Er ist nicht zu stoppen. Seine Horrorbahn ist die Drei, ein 372 Meter langes Par 4, das wegen der seitlichen Begrenzungen einen prĂ€zisen Abschlag verlangt. Peter versucht, die große Eiche zu ĂŒberspielen, bleibt aber hĂ€ngen. Der zweite Schlag ist auch nicht das Gelbe vom Ei, und er muss sich einen Streicher notieren. „Immer wieder lasse ich mich auf diesen Baum ein“, flucht er, „als ob ich bekloppt wĂ€re.“ Auf der Vierzehn spielt er ein so grandioses Birdie, wie ich es ihm nicht zugetraut hatte. „Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“, erklĂ€rt er diesen Erfolg. „Risiko zahlt sich eben doch aus.“

Bevor wir zur Siebzehn kommen, erzĂ€hlt er mir, dass diese Bahn von Enten-Teich auf Neururer-Teich umbenannt werden soll. „Ich habe hier mehr als hundert BĂ€lle versenkt und alle Enten weggeschossen, oder siehst Du eine?“ Ich sehe keine.

Sein Handy klingelt. Es ist Klaus Fischer. Er will mit ihm Golf spielen. „Hör’ mal“, ruft er ins Telefon, „ich bin hier mit Rolf von der GOLFWELT auf dem Platz und habe gerade ein Birdie gespielt. Das hĂ€ttest Du sehen sollen!“ Begeistert erzĂ€hlt er, wie die drei SchlĂ€ge zustande gekommen sind. „Rolf hat hier zwei SchlĂ€ge mehr gebraucht als ich. Oder waren es sogar drei“, feixt er mich an.
Peter spielt grundsĂ€tzlich nicht schlecht, doch gewinnen wird er heute nicht gegen mich, er spielt mit zu viel Risiko. Vor dem Abschlag auf der letzten Bahn schlĂ€gt er vor, dass wir zum Abschluss noch einen Kulle-Wulle spielen. „Was das ist, erklĂ€re ich Dir spĂ€ter, das kennen nur wir hier im PĂŒtt.“ Ein Schlitzohr. Ich kenne die Regeln zwar nicht, aber ich gewinne dieses Loch, und das reicht mir. Die Kaffe und Kuchen gehen auf seine Rechnung.

Peter Neururer ist ein echter PĂŒttologe, es steckt viel Kohlenpott in ihm. Er wurde in Marl geboren und war schon als Kind regelmĂ€ĂŸig “Auf Schalke“. Der bekennende Schalke-Fan, der ohne Punkt und Komma fast druckreif reden kann, kam als aktiver Fußballspieler zwar nicht ĂŒber EinsĂ€tze in der Amateur-Oberliga hinaus, machte aber als Trainer eine grandiose Karriere. Er war bei mehr als 500 Spielen Cheftrainer im Profibereich. „Meine schönsten und glĂŒcklichsten Zeiten hatte ich trotz der unfreiwilligen AbgĂ€nge als Trainer auf Schalke und in Bochum“, resĂŒmiert er. „Schalke brachte ich auf den zweiten Tabellenplatz und wurde gefeuert. In Bochum spielten wir im Uefa-Pokal, doch bei der ersten kritischen Tabellensituation zog der Vorstand die Notbremse, und ich musste gehen. Die Bundesliga hat ihre eigenen, oft nicht zu verstehenden Gesetze. Mal bist Du King, mal bist Du Arsch. Die Entlassungen in Schalke und in Bochum waren sportliche Tiefpunkte in meiner Trainerkarriere, das hat weh getan.“

„Ich gelte als Fußball-Vielredner, doch wenn ich nicht mehr reden darf, will ich keinen Sport mehr treiben. Dass ich manchmal ĂŒberziehe, liegt an der Besonderheit des Jobs, und ich will auch nicht Everybodys Darling sein. Wenn Du allerdings nicht laut und deutlich Tacheles redest, hört Dich auch keiner“, bemerkt er viel sagend. „Deshalb machen mir die Auftritte in den vielen Kommentarsendungen auch so viel Spaß. Da kann ich viel reden, und dass ich viel Ahnung vom Fußball habe, kann ich auch beweisen. Im Herzen bin ich allerdings von oben bis unten Fußballtrainer. Mein Ziel ist es, wieder in der Ersten Liga zu arbeiten. Erst wenn das nach einer gewissen Wartezeit nicht klappen sollte, wĂ€re ich bereit, auf einer vernĂŒnftigen Basis auch ins Ausland zu wechseln. Mich haben schon mehrere Vereine angeflirtet, doch ich bin nicht fĂŒr jeden da. Der Zug auf den ich dann aufspringe, muss schon sehr genau zu mir passen, sonst wird das nichts. Ein Land, in dem meine Frau nicht allein auf die Straße gehen kann, wird es nicht sein. Da bleibe ich lieber zuhause und spiele Golf. Golf ist fĂŒr mich im Moment zwar nur ÜberbrĂŒckungssport, doch wo auch immer ich als Trainer arbeiten werde, in meiner Freizeit spiele ich Golf.“
Peter Neururer ist heute freier Berater und Co-Moderator im Fernsehsender SPORT 1.

Gelsenkirchener Golfclub Haus Leythe, Middelicher Straße 72, 45891 Gelsenkirchen www.haus-leythe.de

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