Michael Stich, der Gentleman des weissen Sports

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Michael sieht phantastisch aus. Groß, schlank und sportlich.

Michael Stich ist einer der erfolgreichsten deutschen Sportler. Ein Ausnahme-Tennisspieler. Er war Wimbledonsieger im Einzel und im Doppel, gewann die ATP-Weltmeisterschaft, war Sportler des Jahres 1992 und errang zusammen mit Boris Becker bei der Olympiade in Barcelona die Goldmedaille im Doppel.

Sein Heimatplatz ist der Golfclub Hamburg Walddörfer. Es ist frĂŒh am Morgen, Nur ein paar Golfer sind auf dem Platz. Keine Hektik, kein GedrĂ€nge und kein Krach von irgendwo her. „Genau das hier ist meine sportliche neue Welt, Rummel habe ich genug gehabt“, sagt er mir. „Diese Anlage ist fĂŒr mich ein kleines Paradies. Ich liebe die Ruhe auf dem Golfplatz, die abwechslungsreiche und reizvolle Umgebung, das stilvoll gute Benehmen der Spieler und die AtmosphĂ€re im Clubhaus. 2000 BĂ€ume von nahezu 100 verschiedenen Arten machen den WALDDÖRFER zu einem Park, in dem Golfbahnen liegen”! Man spĂŒrt die Begeisterung fĂŒr seine Heimat. Michael ist in Pinneberg geboren und in Elmshorn groß geworden, und Elmshorn ist nicht weit weg von hier.

Wir halten uns nicht lange bei der BegrĂŒĂŸung auf, melden uns im StarterhĂ€uschen, machen ein paar ProbeschlĂ€ge und gehen zum ersten Abschlag. Michael Stich ist ein sehr guter Golfspieler. Er hat Handicap 8. Sein erster Schlag von der Eins ist ein gewaltiger Drive. Der Ball landet zwar auf der Gegenbahn, doch das macht ihm nichts. Mit dem zweiten Schlag ist er ganz nahe am GrĂŒn. Er spielt zwar kein Par, dass er aber gut Golfen kann, sehe ich. Ich habe GlĂŒck und loche zum Par. Es ist die einzige Bahn auf der Runde, die ich gegen ihn gewinne. Auf der Zwei ist sein Abschlag 50 Meter lĂ€nger als meiner. Und so geht es weiter. Immer, wenn ich mal besser liege und glaube, dass die Bahn an mich geht, kriegt er es immer wieder so hin, dass ich doch nicht gewinne, sondern er.

Michael Stich ist schon mit sechs Jahren durch die Familie zum Tennis gekommen. Seine Eltern spielten, sie nahmen ihn mit zum Platz. „Als Kind war ich das schrecklichste Tenniskind, das man sich vorstellen kann. Ich habe meine SchlĂ€ger durch die Gegend geworfen und nach einer Niederlage keine Hand gegeben. Es muss ganz schlimm gewesen sein. Meine Eltern und BrĂŒder mögen gar nicht darĂŒber sprechen. Ich glaube, es war ihnen peinlich und unangenehm“.

„Das hatte ich nicht erwartet,” werfe ich ein,” ich hĂ€tte Dich eher bei lieb und brav eingeordnet“, .

„Eigentlich war ich ja auch ein braves Kind, aber eben nicht auf dem Tennisplatz. Ich selbst habe das damals gar nicht so empfunden. Ich wollte immer nur gewinnen, und zwar immer und gegen jeden. Als ich dann so gut war, dass ich gegen die Erwachsenen spielen konnte, hat sich das zwar ein bisschen gelegt, doch verlieren konnte ich immer noch schlecht. Als erfolgreicher Tennisprofi habe ich natĂŒrlich gelernt, mit Niederlagen fertig zu werden und auch mit Erfolgen. Bei Siegen wird man auf den Sockel gestellt und hebt leicht schon mal ab. Verliert man, holen Dich die Medien wieder runter”.

“WĂ€hrend meiner aktiven Zeit war ich bei den Journalisten nicht besonders beliebt, ich hatte zu viele KrĂ€nkungen durch die Medien erfahren und gab mich oft ablehnend, aber das ist vorbei. Medien freundlich bin ich erst nach meiner Karriere geworden, und das ist gut so“.

Nach 9 Bahnen gehen wir ins Halfwayhouse. „Schön, dass heute so wenig Spieler auf der Anlage sind. Da treibt uns keiner, und wir können uns unterhalten“. Michael trinkt grĂŒnen Tee.
„Ich möchte Dir etwas zu einem Thema erzĂ€hlen, von dem sehr viele Menschen eine falsche Meinung haben“, sagt er. „Immer wieder wird angenommen, dass mein grĂ¶ĂŸter sportlicher Erfolg der Wimbledon Sieg ĂŒber Boris Becker gewesen sei. Endlich Boris auf den zweiten Platz verwiesen, und das in Wimbledon vor der ganzen Tenniswelt. Aber das war nicht mein schönster Sieg“.
„Was war denn Dein schönster Sieg“, frage ich erstaunt, denn auch ich hatte geglaubt, dass Wimbledon fĂŒr ihn das GrĂ¶ĂŸte gewesen sei. Michael sieht mich strahlend an.

„Viel wertvoller und sportlich wichtiger war fĂŒr mich der Gewinn der Goldmedaille in Barcelona mit Boris Becker und nicht gegen ihn! Das ganze Gerede von Zwietracht und Sich Nicht Verstehen war beendet. Wir verstehen uns seit der Zeit prima. Unser Leben verlĂ€uft zwar sehr unterschiedlich. Aber so unterschiedlich wie Menschen sind, so unterschiedlich leben sie eben auch“. Michael lacht.

Wir gehen wieder auf den Platz. Die zweiten Neun liegen ĂŒberwiegend in offenem GelĂ€nde, und man kann die schöne Landschaft bewundern. Michael spielt mit so viel fröhlicher Begeisterung, dass es Spaß macht, mit ihm zu Golfen. Den Kaffee fĂŒr den Logest Drive gegen mich gewinnt er nicht. Obwohl mein Drive nicht schlecht ist, fliegt sein Ball wieder mal deutlich weiter, doch er liegt neben dem Fairway, und das zĂ€hlt nun mal nicht. Regel ist Regel. Kaffee und Kuchen gehen auf ihn.

Nach der Runde bleiben wir noch lange im Clubhaus. Ich frage ihn, wohin er heute nach seiner Karriere am liebsten reist.
„Am liebsten fahre ich nach Sylt. Das ist nicht weit weg und wunder schön. Ich bin mit meiner Frau sehr oft da. Wir haben ein Haus auf Sylt. Einmal im Jahr, verbringe ich mit meinen beiden BrĂŒdern einige Tage auf der Insel. Die Stichs sind Familienmenschen“.

„Zuhause sein muss man lernen. Ich erinnere mich an ein Erlebnis“, erzĂ€hlt er. „Ich kam von einem Grand-Prix-Turnier aus Amerika und stand am Taxistand des Flughafens in Frankfurt. Wo willst Du eigentlich hin, fragte ich mich, wo bist Du eigentlich zuhause? Ich hatte fĂŒnf Jahre in MĂŒnchen gelebt, hatte eine Wohnung in Salzburg, ein Haus in SĂŒdfrankreich und war 10 Monate im Jahr irgendwo in der Welt unterwegs”.
“Plötzlich hatte ich Heimweh. Ich ließ Termine Termine sein und fuhr zu meinen Eltern. Ich fuhr nach Haus und kam an. Kam endlich an in meiner Heimat, und da bin ich noch heute“.

„Ich bin sehr viel in der Welt herum gekommen, habe viel gesehen und kennen lernen dĂŒrfen. Das Leben und die unterschiedlichen LĂ€nder auf dieser Welt haben viele Facetten. New York ist großartig und aufregend interessant, aber fĂŒr kein Geld auf der Welt möchte ich da leben. Stockholm ist faszinierend schön, aber Hamburg gefĂ€llt mir besser. Und so geht es weiter. Immer wieder gebe ich Deutschland und vor allem dem Norden den Vorzug. Heute wohne ich mit meiner Frau in PoppenbĂŒttel, gehe regelmĂ€ĂŸig auf den Golfplatz, spiele bei recht gut dotierten Oldie-Tennis-Turnieren und widme mich meiner “Michael-Stich-Stiftung“ fĂŒr Aids kranke Kinder. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt gefunden”.

Michael Stich
Geboren am 18. Oktober 1968 in Pinneberg. Er gewann Wimbledon, die ATP-Weltmeisterschaft und zusammen mit Boris Becker die Goldmedaille bei der Olympiade in Barcelona. Vor kurzem bekam er fĂŒr sein karitatives Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande durch den BundesprĂ€sidenten Horst Köhler verliehen.

Golfclub Hamburg-Walddörfer
Schevenbarg, 22949 Ammersbek
Tel: 040-6051337 www.gchw.de
18 Löcher, 6.093 Meter, Slope 131

www.michael-stich-stiftung.de Spendenkonto 4411, HSH Nordbank AG, Bankleitzahl: 210 500 00,

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