Eigentlich nichts leichter als das, gilt Bill Murray doch als passionierter Golfer, der sich Abseits des Filmbusiness am liebsten auf einem Golfplatz rumtreibt. Sei es in Europa bei den Alfred Dunhill Links Championchips oder bei den Pro-Ams in den USA – Bill Murray lässt kaum ein Turnier aus und sorgt mit seiner großer Leidenschaft nicht nur auf dem Grün für viel Aufsehen – wenn auch nicht immer ganz so ruhmreich, wie noch letztes Jahr in Pebble Beach, wo er beim Shoot-Out eines Charity-Turniers gemeinsam mit Schauspiel- und Golfkollege Andy Garcia den größten Teil der 40.000 Spendendollar einspielen konnte. Für Schlagzeilen der etwas anderen Art sorgte er dagegen während eines Gastspiels in Schweden, wo er im August 2007 von der Polizei erwischt wurde, als er mit ein paar Bier zuviel durch Stockholm düste. Eigentlich nichts ungewöhnliches, nur dass Murray nicht in einem Auto, sondern in einem Golfcart unterwegs war. Ursache für die außergewöhnliche Spritztour war die Einladung eines Freundes zu den Scandinavian Masters. Nach dem Turnier hatte sich die Kultmime bereiterklärt, ein paar Gäste nach Hause zufahren und sich schließlich in die Innenstadt verirrt. „Ich kam zu so einem Golfevent, aber keiner wollte mit dem Golfwagen fahren“, erklärte er später auf einer Pressekonferenz. „Also habe ich es getan. Es sind immer wieder Leute ein- und ausgestiegen und am Ende war ich total betrunken.“ Dass solch eine innige Verbundenheit zum Golfsport nicht von ungefähr kommt, liegt auf der Hand. Bei dem mittlerweile 58-jährigen Komiker, der mit einem Handicap von 7,2 zu den besten Golfern in Hollywood gehört, reichen die Wurzeln bis tief in seine Kindheit zurück, als er das erste Mal auf dem Fairway stand und dem kleinen weißen Ball verfallen ist.
Bill Murray wird am 21. September 1959 als William James Murry in Wilmette, Illinos geboren. Er ist das fünfte von neun Kindern. Seine fünf Brüder und drei Schwestern wachsen in einem irisch-katholischen Haushalt auf. Drei seiner Brüder (Brian Doyle, John und Joel Murray) werden später ebenfalls im Filmgeschäft arbeiten. Da er in einfachen Verhältnissen aufwächst, muss er bereits neben der Schule arbeiten, um seine zukünftige Ausbildung finanzieren zu können. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Brian verdient er sein Geld als Caddy auf einem benachbarten Golfplatz und entdeckt seine Faszination für den grünen Sport. Nach der Highschool will er Medizin in Denver studieren und nimmt dafür an einem Vorbereitungssemester teil. Aber aus dem geplanten Studium wird nichts: Murray wird mit Marihuana im Gepäck von der Polizei erwischt. Schlecht für den damals 21-Jährigen, aber gut fürs Kino, denn Murray beschließt Schauspieler zu werden. Nach einigen umjubelten Auftritten als Stand-Up-Comedian erhält eine Anstellung bei der legendären „Saturday Night Live“-Show. Binnen kürzester Zeit avanciert der junge Komiker zum Liebling der Show und wird mehrfach für seine Sketche mit dem renommierten Fernsehpreis „Emmy“ belohnt. 1979 wagt er schließlich den Sprung auf die Leinwand – und hat ebenfalls Erfolg.
Murrays erste Spielfilme sind Campus-Komödien und Militärklamotten wie „Stripes“ oder „Ich glaub’, mich knutscht ein Elch” sowie die Golfer-Komödie „Caddyshack“, durch die er die Bekanntschaft mit Regisseur Ivan Reitman macht, der später die „Ghostbusters“-Filme um die erfolgreiche Gespensterjagd in New York inszenieren wird. Als Zimmergenosse von Dustin Hoffman in „Tootsie“ weitet Murray sein Spektrum aus, glänzt im Cameo als sadomasochistischer Zahnarztpatient in „Der kleine Horrorladen“ und feiert nach einer kleinen Durststrecke mit Harold Ramis’ Zeitschleifen-Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ seinen größten Erfolg. Die zum Klassiker gewordene Romanze zeigt ihn an der Seite von Andie MacDowell als einen zynisch-abgebrühten Reporter, der erst durch ein Liebesgeständnis aus seiner Zeitfalle erlöst wird.
Liebesgeständnisse macht Murray aber auch im realen Leben. 1981 lernt er Margaret Kelley kennen und heiratet sie. Dreizehn Jahre hält die Ehe und Murray wird in dieser Zeit zweimal Vater. 1997 steigt er erneut in den Ring, heiratet ein zweites Mal und fast täglich grüßt auch hier das Murmeltier seine zweite Frau Jennifer Butler, die ihm in nur sechs Jahren drei weitere Kinder schenkt. Seitdem genießt er das Eheleben mit der Filmkostüm-Designerin und seinen mittlerweile sechs Kindern (!) in einem Farmhaus im Hudson River-Valley im Bundesstaat New York.
Neben unzähligen Komödien wagt Murray aber auch ungewöhnliche Parts, wie den traumatisierten Helden in „Auf Messers Schneide“ oder den Gangster, der Robert De Niro in „Sein Name ist Mad Dog“ beschützt. 2003 gibt Murray in „Lost in Translation“ einen abgehalfterten, in Japan gestrandeten US-Star, der sich mit Whiskey-Werbefilmen über Wasser hält. Schlaflos in Tokio lernt er eine junge Amerikanerin (gespielt von Scarlett Johansson) kennen, mit der er die Nacht in tiefgründigen Gesprächen verbringt. Eine grandiose Vorstellung, die ihm den „Golden Globe“ und eine Oscar-Nominierung einbringt. Unvergessen bleibt auch sein Auftritt als Anekdotenerzähler in Jim Jarmuschs Koffein- und Nikotinhymne „Coffee and Cigarettes“, mit dessen Regisseur er auch „Broken Flowers“, den Publikumsliebling in Cannes 2005, dreht.
Gleich vier Mal stand er in seiner Karriere für den jungen Regisseur Wes Anderson vor der Kamera: in „Rushmore“ als Millionär Mr. Blume, der sich mit einem 15-jährigen Schüler eines der merkwürdigsten surrealen Duelle um die Gunst einer Lehrerin liefert, als gutmütiger Neurologen-Gatte, der kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht, in „Die Royal Tenenbaums“, in „Die Tiefseetaucher“ als skurriler Kapitän und Meeresforscher und zuletzt mit einem Kurzauftritt als Geschäftsmann in der tiefgründigen Komödie „Darjeeling Limited“.
Und in Zukunft? Da lässt es der Superstar unter den Komikern ruhiger angehen. Bill Murray wird nur noch in wenigen ausgesuchten Filmen vor der Kamera stehen, wie er jüngst erklärte: „Ich habe genug Geld auf der Bank und Liebe unter dem Dach. Ich drehe nur noch, was ich mag“. Die restliche Zeit wird er wohl auf dem Golfplatz stehen und seiner großen Leidenschaft frönen.
