Er habe so eine ganz spezifische Mischung aus verführerischer Sanftheit, Intelligenz und latentem Machismo, der den friedlichen Mann in Sekundenbruchteilen in ein zerstörerisches Geschoss verwandeln kann, sagen ihm die Filmkritiker gerne nach. Eine Einschätzung, die der 1956 in Kuba geborene Schauspieler gar nicht teilt, wie eigentlich fast alles, was über ihn gesagt wird. Zwar spielte er gerade zu Beginn seiner Karriere zumeist Gangster, Polizisten und ähnliche „Helden“, aber auf einen bestimmten Rollentyp hat er sich dabei nie festlegen lassen. Garcia geht stattdessen seinen ganz eigene Weg, wie er betont: „Dein Unterbewusstsein bewirkt in deinem Leben alles das du je fühlen wirst, obwohl dir das gar nicht bewusst wird. Schauspielen heißt, das anzapfen können und eine Verbindung herstellen zwischen dem Charakter den du darstellst und deiner persönlichen Erfahrung.“
Seine Art der Rolleninterpretation, die Figuren nicht nur zu spielen, sondern sie mit dem eigenen Erfahrungshorizont förmlich zum Leben zu erwecken, ist nicht nur aufrichtig, sondern zugleich ehrlich, denn man kann dadurch mit seinen Figuren mitfühlen und spürt jede Sekunde die enge Verbundenheit zwischen ihm und dem darzustellenden Charakter. Eine schauspielerische Überzeugung, die sich wie ein roter Faden durch seine Karriere zieht und ihn zu einem der ganz großen Charakterdarsteller in der Traumfabrik werden ließ.
Die Bodenhaftung, wie manch anderer Kollege, dem der schnelle Ruhm der oberflächlichen Glitzer- und Glamourwelt rasch zu Kopf gestiegen ist, hat Garcia trotz seiner unzähligen Leinwanderfolge und Auszeichnungen (Oscar-Nominierung, Emmy und Grammy) nie verloren. Ganz im Gegenteil. Der 54-Jährige gilt als seit Anbeginn seiner Karriere als Nonkonformist par excellence, als ein nachdenklicher und politisch engagierter Mensch sowie als einer der wenigen ernsthaften Schauspieler, die dem ganzen Hollywood-Trubel so gut es geht fern bleiben. Anstatt sich auf den roten Teppichen im Blitzlichtgewitter der Paparazzi zu sonnen, nutzt Gracia seinen Starruhm lieber, um auf die politische Situation der Menschen in seiner Heimat Kuba aufmerksam zu machen.
Für ihn als Exilkubaner ist das nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern auch eine persönliche Lebensmaxime. „Man wird darüber definiert, wer man ist, darüber, welche Entscheidungen man im Leben trifft – und das in allen Bereichen, nicht nur im Filmemachen“, erklärt Garcia, der neben seiner Schauspieltätigkeit auch eigene, thematisch mit seiner kubanischen Heimat verbundene Filme produziert. So inszenierte er beispielsweise 1993 mit „Cachoao“ eine Hommage an seine Heimat sowie den kubanischen Mambo und brachte mit seiner Firma „CineSom Productions“ die ersten beiden Teile der „Cachao Master Sessions“ heraus – für den ersten Teil wurde Garcia mit einem Grammy geehrt. In der Verfilmung des Epos „The Lost City“ des kubanischen Autors Guillermo Cabrera, das vom Leben der Menschen in Kuba vor der Revolution erzählt, war Garcia zugleich für Drehbuch, Regie sowie Produktion verantwortlich und stand überdies noch vor der Kamera. Ganze zehn Jahre dauerte es, bis die Finanzierung für sein Traumprojekt endlich auf sicheren Beinen stand und die letzte Szene im Kasten war. Lohn und Dank für diesen einzigartigen filmischen wie politischen Dreh- und Durchhaltemarathon: die Überreichung des Harvard University Foundation Award für seine Arbeit als Schauspieler und seinen Beitrag zur Völkerverständigung. Rückblickend, eine mehr als verdiente Auszeichnung für den aus Kuba stammenden Schauspieler.
Denn trotz seines heutigen Status als einer der ganz großen Charaktermimen des US-amerikanischen Kinos, verleugnete Garcia seine kubanischen Wurzeln nie. Stolz ist er auf seine Herkunft und vor allem die Menschen in seiner Heimat, nur eine Rückkehr nach Kuba schließt er aufgrund der politischen Situation kategorisch aus. „Ich habe nie in Erwägung gezogen, nach Kuba zurückzugehen. Ich wurde zum Havanna Film Festival eingeladen, aber ich bin gegen das Regime in Kuba. Ich habe mir an jedem einzelnen Tag meines Lebens gewünscht, zurückzukehren. Aber aus Respekt für all jene, die unter diesem Regime zu leiden hatten und sterben mussten, kann ich diesen Schritt nicht tun.“
Am 12. April 1956 wurde Andy Garcia, mit bürgerlichen Namen Andrés Arturo GarcÃa Menéndez, als jüngstes von drei Kindern in Havanna geboren. Kurios: Er kam als siamesischer Zwilling zur Welt, der andere Zwilling war kaum größer als ein Tennisball und wurde chirurgisch entfernt. Heute erinnert daran nur noch eine Narbe an seiner Schulter.
Im Alter von fünf Jahren flüchtete die Familie aufgrund der Revolution unter Fidel Castro in die USA und ließ sich in Miami nieder. Andy Garcias Vater, eigentlich Anwalt von Beruf, bewies mit der Eröffnung eines Parfüm-Großhandel, um die Familie durchzubringen, einen guten Riecher und baute das Unternehmen im Laufe der Jahre zu einem Millionen-Unternehmen aus. Sorgen um die Zukunft in der neuen Heimat mussten sich die Garcias fortan keine mehr machen.
Nach dem Abschluss der Highschool wollte Andy Garcia eigentlich eine Karriere als professioneller Basketballspieler in Miami hinlegen, da er der Star im Team der Collegemannschaft war. Eine schwere Erkrankung im letzten Schuljahr ließ seinen Traum jedoch platzen. Um sich die Zeit während seiner unfreiwilligen Auszeit zu vertreiben, sprach er kurzerhand für eine kleine Rolle in einem Stück des Schultheater vor und entdeckte seine Liebe zur Schauspielerei. Er studierte Drama an der „Florida International University“, zog nach dem Studium im Alter von 22 Jahren nach Los Angeles, wo er vier Jahre in einer Theatergruppe spielte und war als Comedian tätig war. Mit Gelegenheitsjobs als Kellner, Schreiner und Möbelpacker hielt er sich so lange über Wasser, bis er endlich sein erstes richtiges Angebot fürs TV bekam.
Nach zunächst kleinen Rollen in unterschiedlichen Fernsehserien gab er schließlich 1983 sein Film-Debüt in „Das mörderische Paradies“. Es folgten weitere Auftritte in TV-Projekten und Rollen in Filmen wie „8 Millionen Wege zu sterben“ an der Seite von Rosanna Arquette und Jeff Bridges, in Brian De Palmas Thriller „Die Unbestechlichen“ mit Kevin Costner und Robert De Niro und in „Black Rain“ neben Michael Douglas. Seinen internationalen Durchbruch feierte Garcia allerdings im dritten Teil von Francis Ford Coppolas Mafia-Epos „Der Pate“. Seine beeindruckende Performance als Neffe von Michael Corleone (Al Pacino) brachte ihm sowohl eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller als auch eine Golden Globe-Nominierung ein.
Danach ging es für den gefeierten Mimen Schlag auf Schlag. Er stand mit Richard Gere für das Polizeidrama „Internal Affairs“ vor der Kamera, war in „Schatten der Vergangenheit“ an der Seite von Emma Thompson zu sehen, spielte im Thriller „Jennifer 8“ einen Detective, der die blinde Uma Thurman vor einem Killer schützen soll, spielte mit Dustin Hoffman in „Ein ganz normaler Held“ und war in „When a Man Loves a Woman“ der Ehemann der alkoholkranken Meg Ryan. Es sind nicht immer die großen Blockbuster, die aus seiner Filmographie hervorstechen, aber immer Filme, die sich durch eine persönliche Authentizität auszeichnen. So war er etwa neben Laurence Fishburn im Gangsterfilm „N.Y.C. – Harlem“ zu sehen oder spielte im Thriller „Desperate Measures“ einen Polizisten. In den Fokus der Kinobesucher geriet Garcia auch als Casino-Besitzer in Steven Soderberghs „Ocean´s Eleven“ und den beiden Nachfolgern „Ocean´s Twelve“ und „Ocean´s 13“, wo er mit Julia Roberts, George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon vor der Kamera stand. Im Drama „Modigliani“, dass das letzte Lebensjahr des Künstlers Amedeo Modigliani zum Thema hat, stellte Garcia genauso eindrucksvoll seine Fähigkeiten als Charakterdarsteller unter Beweis wie 2009 in „The Air I Breathe“. Für seinen aktuellen Film „New York, I love you“ stand er neben einem wahren Staraufgebot vor der Kamera und begeisterte ein weiteres Mal Zuschauer wie Kritiker gleichermaßen.
Doch nicht nur auf der Leinwand hinterlässt der 54-Jährige immer wieder einen bleibenden Eindruck, sondern auch dem Golfplatz, denn neben der Schauspielerei gehört das Golfen zu seiner zweiten großen Leidenschaft. Bereits im Alter von zwölf Jahren entdeckte seine Liebe zum Spiel, begann in einem Park gegenüber dem elterlichen Haus einen eigenen kleinen Kurs anzulegen und die ersten Drives zu schwingen. Mit jedem Schlag und jedem Putt wuchs seine Faszination und schon bald schlich er sich vor der ersten offiziellen Tee Time auf den öffentlichen Bayshore Golfclub, um sein Spiel zu verbessern. Das Greenfee von knapp vier Dollar konnte er sich als kleiner Junge damals noch nicht leisten. Mehr als 40 Jahre später sieht das natürlich ganz anders aus.
Heute ist Andy Garcia nicht nur Mitglied im exklusiven Lakeside Golfclub in Burbank, Kalifornien, in dem Film- und Showbissgrößen von Frank Sinatra bis Jack Nicholson ihrer Passion nachgingen und gehen, sondern auch regelmäßiger Teilnehmer diverser Charity-Golftunriere sowie Spieler beim berühmten AT&T Pro Am Turnier in Pebble Beach. Dass Garcia mindestens einmal die Woche auf dem Grün steht, um sein bereits beachtliches Handicap von sieben weiter zu verbessern, macht sich auch beim alljährlichen Pro-Am Turnier mehr als bezahlt. Gemeinsam mit Paul Stankowski hält er nicht nur den Kursrekord in der Turniergeschichte mit 43 Schlägen unter Par, sondern gewann das Turnier gleich zwei Mal. 1997 ging Garcia gemeinsam mit Stankowski als triumphale Sieger vom Platz und auch diesem Jahr konnte sich der golfbegeisterte Schauspieler gemeinsam mit Jeffrey Donovan Anfang Februar den Titel holen.
Sollte Andy Garcia eines Tages die Lust an der Schauspielerei verlieren, wäre eine späte Karriere als professioneller Spieler angesichts seiner hervorragenden Golfskills genau die richtige Wahl. Bis dahin wird der Exilkubaner Garcia die Kinozuschauer und Kritiker aber weiterhin mit schauspielerischen Höchstleistungen begeistern. Das steht zumindest eindeutig fest.
Andy Garcia
Heißt mit bürgerlichem Namen eigentlich Andrés Arturo GarcÃa Menéndez und wurde am 12. April 1956 als Sohn eines Anwalts und einer Englischlehrerin in Havanna geboren. Als Garcia fünf Jahre alt ist, flieht die Familie aufgrund der Revolution von Fidel Castros in die USA, wo er eine erfolgreiche Karriere als Schauspieler in Hollywood hinlegte. Garcia ist seit 1982 mit der Exil-Kubanerin Maria Victoria verheiratet, sie haben drei Töchter und einen Sohn. Garcia lebt mit seiner Familie abwechselnd in Toluca Lake, Kalifornien und in Key Biscayne, Florida.
