Golfwelt-Interview mit John Niven

|



Golfwelt: Herr Niven, sagen Sie mal, mögen Sie eigentlich Golf? Wir haben gehört, dass Sie Golf spielen, aber im größten Teil Ihres Buches klingt es eher so, als ob Sie Golfer für ziemlich verrückt halten.

Ich liebe Golf, aber viele Golfer SIND wirklich verrückt. Man sieht Leute, die seit Jahren Golf spielen aber anscheinend nie besser werden. Ich schließe mich da übrigens ein. Und dann fragt man sich: Warum tun die sich das an? Na ja, das Spiel treibt einen manchmal schon in den Wahnsinn …

Golfwelt: Glauben Sie, Golf ist ein Sport für viel Geduldstraining? Oder nur einer für Menschen mit Talent dazu?

Das Ding ist doch, egal wie mies Du spielst, Du kannst alle Jubeljahre mal einen echt riesigen Schlag landen – und genau deshalb bleiben die Leute bei der Stange. Man muss also unbedingt Geduld mitbringen. Aber ein bisschen Talent hilft auch!

Golfwelt: Golf und Verbrechen sind eine ziemlich ungewöhnliche Kombination. Oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht? Wie sind Sie eigentlich auf die Idee zu „Coma“ gekommen?

Tja, sagen wir mal, mein Bruder hatte ein ziemlich wüstes Leben – ein bisschen so wie das von Lee im Buch. Es ging also nur darum, so einen Charakter mitten ins Golfgeschäft zu platzieren, damit selbst die Leser bei Laune bleiben, die nicht so an Golf interessiert sind. Das ist mir hoffentlich gelungen.

Golfwelt: Spielen die Leute eigentlich noch gerne Golf mit Ihnen, seit Sie das Buch veröffentlicht haben?

Oh ja! Eigentlich sogar noch mehr als zuvor.

Golfwelt: Und wie werden Sie jetzt in den Clubhäusern und auf den Golfplätzen angeschaut?

Ach, ziemlich so wie vorher auch. Zum Glück sind Golfspieler keine großen Roman-Leser.

Golfwelt: Sie verwenden eine wundervoll dreckige Sprache. Kennen Sie viele Leute, die wirklich so sprechen? Vermissen Sie so eine Art der Sprache in der Literatur?

Ich genieße deftiges Fluchen, ja! Viel von dem Gefluche in „Coma“ resultiert ja aus dem Tourette Syndrom des Hauptakteurs – und da flucht man eben nun mal ab und zu unkontrolliert. Wie viele andere Schotten in meinem Alter war ich versessen auf die Dokumentation „John’s not mad“, die von einem Kind mit Tourette handelt. Die Doku ist eigentlich sehr traurig, aber an vielen Stellen ganz ungewollt auch unglaublich witzig. Man kann sie noch auf youtube finden.

Golfwelt: Sie schreiben auch Drehbücher für Filme. Welche?

Ich habe den Film „Roadkill“ geschrieben – eine ziemlich schwarze Roadmovie-Komödie, die an Weihnachten zu Ende gedreht wurde und irgendwann im Laufe dieses Jahres anlaufen soll. Außerdem habe ich gerade das Script für „Kill Your Friends“ und „The Amateurs“ fertig geschrieben, die noch in verschiedenen „Entwicklungsstufen“ sind, wie man in L.A. so schön sagt.

Golfwelt: Und wie sehen Ihre nächsten Buchprojekte aus?

Ich bin ungefähr halb fertig mit einem Roman, der von der zweiten Menschwerdung Jesus’ handelt – aber mehr aus einem atheistischen Geschichtspunkt betrachtet. Sollte eigentlich recht witzig werden …

© Kern & Kern Media und Verlag GmbH & Co. KG 2010
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Kern & Kern Media und Verlag GmbH