Mark Wahlberg ist erwachsen geworden. Die Zeit der wilden Partys, Drogenexzesse, Schlägereien und heißen Bettgeschichten ist vorbei. Das ehemalige Unterwäsche-Model und der einstige Bad-Guy des Hip-Hops hat sich in geduldiger Fleißarbeit zum renommierten Schauspieler in Hollywood hochgearbeitet. Nach seinem Durchbruch in „Boogie Nights“ vor gut zehn Jahren spielte er in über zwanzig Filmen mit und arbeitete mit namhaften Regisseuren wie Tim Burton, Martin Scorsese und Wolfgang Peterson. 2007 folgte der bisherige Höhepunkt in Schauspielerkarriere. Für seine Rolle in „The Departed“ wurde er als bester männlicher Nebendarsteller für den Oscar nominiert. Zuletzt flimmerte er in dem Polizei-Darma „Helden der Nacht“ und dem Naturschocker „The Happing“ über die Leinwand. Mit „Max Payne“ wird im nächsten Monat ein weiterer Blockbuster folgen.
Ein Leben auf der Ăśberholspur
Doch zurück zum Anfang einer Karriere, die schon 1992 genügend Stoff bot, um die Autobiographie „Don’t Call Me Marky Mark“ auf den Markt zu werfen. Mark Wahlberg ist zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt. Geboren am 5. Juli 1971, ist Mark Robert Michael Wahlberg das neunte Kind von Alma und Donald Wahlberg – einfachen Arbeitern aus dem tristen Bostoner Industrievorort Dorchester. Eine entbehrungsreiche Kindheit liegt vor ihm. „Meine Eltern haben extrem hart gearbeitet, um Essen auf den Tisch zu stellen. Mein Vater war Fernfahrer, meine Mutter hatte verschiedene Jobs – wir waren viel allein“, erinnert sich der inzwischen millionenschwere Superstar. „Genug Zeit, in Schwierigkeiten zu geraten, denn in unserer Nachbarschaft gab es viel Drogen, Gewalt, Verbrechen und ich wollte immer einer von diesen Jungs sein.“ Gesagt, getan. Er dealt, klaut Autos, raubt Supermärkte aus und Freitagabends, wenn die Fabrikarbeiter ausbezahlt werden, zieht er mit seinen Kumpels los, um die Alkoholleichen zu schröpfen. Stress mit Polizei und Justiz war da nur noch eine Frage der Zeit. So wandert er 1988 wegen Raub, Drogenhandel und rassistisch motivierter Körperverletzung für 45 Tage in den Bau. Mark Wahlberg ist gerade mal sechzehn Jahre alt. „Wenn ich nicht Schauspieler geworden wäre, würde ich heute sicher wieder im Gefängnis sitzen.“ Nach seinem Knastaufenthalt will er eigentlich zu den Marines, doch die US-Army nimmt niemanden, der vorbestraft ist und keinen Schulabschluss hat. Der Wandel? Noch nicht. Aber zumindest ein heilsamer Schock, der auch zwanzig Jahre später nachwirkt, wenn er über seine größte Angst spricht: „Ich fürchte mich vor meinem Alter Ego. Das ist die Seite in mir, die ausgehen will, Spaß haben will mit den Jungs und dann so richtig verrückt wird. Es kann einfach zuviel passieren, wenn man Alkohol trinkt und Drogen nimmt. Auf einmal zettelt einer eine Riesenschlägerei an. Ich kann mich noch gut an die Polizeisirenen erinnern.“
Big Brother is watching you
Dass er letztendlich doch nicht in der Gosse gelandet ist, verdankt er seinem älteren Bruder Donnie. Denn der beginnt zur gleichen Zeit als Mitglied der Boyband „New Kids On The Block“ weltweit Mädchenherzen zu brechen und die ersten Millionen zu scheffeln. Mark ist beeindruckt. Der Erfolg seines Bruders weckt in ihm den Ehrgeiz eine eigene Solokarriere zu starten, wobei ihn Donnie nach Kräften unterstützt. Zwar hat das Nesthäkchen im Hause Wahlberg nicht die blasseste Ahnung von Musik, doch zusammen mit den Funky Bunch stampft er als Marky Mark 1991 das Erfolgalbum „Music For The People“ aus dem Boden. Die Scheibe wird ein Hit und seine Konzerte mit runtergelassenen Hosen legendär. Auch Designer Calvin Klein wird auf den neuen Jungstar mit dem Körper eines Preisboxers aufmerksam und verpflichtet ihn als Unterwäschemodel. Marky Mark avanciert zur Popikone, sein durchtrainierter Köper ziert fortan die Liftfasssäulen von New York bis Tokio. Mark Wahlberg ist plötzlich ein Star. Er tritt bei Jay Leno auf, ist gleichzeitig auf dem Cover von Penthouse und Playgirl zu sehen und bringt sein zweites Album „You Gotta Believe“ raus. Dumm nur, dass ihn zeitgleich auch seine dunkle Vergangenheit einholt und er immer tiefer in die Fänge der Boulevardpresse gerät. Die Nerven liegen blank, es folgen wieder Schlägereien, Saufgelage und wilde Partys. Und sein zweites Album entpuppt zu alledem noch als Ladenhüter. Die erfolgreichen Tage scheinen gezählt. Höchste Zeit etwas Neues zu beginnen. Er versucht sein Glück als Schauspieler. Als er 1994 nach Hollywood kommt, steht Wahlberg allerdings vor dem gleichen Problem wie Arnold Schwarzenegger Jahre zuvor: bei soviel Muskelmasse glaubt niemand, dass der modelnde Ex-Rapper genug Grips für den Job als Schauspieler mitbringt. So kommt der Durchbruch erst spät, mit einer Rolle die niemand anders haben will. Wieder muss er die Hose runterlassen. „Andere sorgten sich um ihren guten Ruf. Aber ich hatte keinen guten Ruf. Ich stand mit dem Rücken zur Wand. Es gab nichts, was ich verlieren konnte.“
Der Durchbruch als Pornostar
„Boogie Nights“, ein cineastische Bestandsaufnahme der amerikanischen Pornoindustrie der 70er Jahre, wird zum weltweiten Überraschungshit. Der Film machte aus jedem einen Star, der in ihm mitspielte: Heather Graham, Philip Seymour Hoffman und Julian Moore sind seither bestens im Geschäft, und selbst der alte Burt Reynolds kehrte auf die Leinwand zurück. Für niemanden aber ist „Boogie Nights“ bedeutsamer als für Mark Wahlberg. In der Rolle des Dirk Diggler erntet er begeistertes Lob sowohl vom Publikum als auch den Kritikern. Und zumindest Letzteres ist etwas Neues. Wie von Zauberhand verlieren sich seine Aggressionen, er kommt allmählich zur Ruhe und findet zu Gott. „Gott schützt mich seitdem vor Wut und vor Einsamkeit“, erklärt er. „Ich möchte Gott dienen, weil ich mir sicher bin, dass mich ein tieferer Sinn in die diese Position gebracht hat.“ Aus dem einstigen Saulus ist ein wahrer Paulus geworden. Er baut seinen Eltern ein bescheidenes 5-Millionen-Häuschen in Bel Air, gründet eine gemeinnützige Stiftung (The Mark Wahlberg Youth Foundation), die unterpriviligierten Kindern aus dem Bostoner Stadtteil Dorchster hilft, und setzt mit Freundin Rhea Durham, einem erfolgreichen Model, eine Tochter namens Ella Rae sowie Sohn Michael in die Welt. Und im September dieses Jahres wurde er zum dritten Mal Vater. „Meine Familie ist das Wichtigste“, erklärt er. „Ich möchte ein guter Vater, ein erfolgreicher Ehemann sein. Ich mag es mittlerweile mehr, zu Hause auf der Couch zu sitzen und mit meinem Mädchen Fernsehen zu gucken, als mit den Jungs einen draufzumachen.“ Wenn Mark Wahlberg heute noch einen drauf macht, dann nur auf dem Golfplatz. Seit 2001 ist er Mitglied im Wilshire Country Club und hat es seitdem auf ein beachtliches Handicap von 7 geschafft. Eine Alternativkarriere als Golfprofi kommt für ihn aber nicht in Betracht. „Ich liebe das Golfspielen, aber mit Handicap 7 hat man gegen Leute wie Tiger Woods keine Chance. Also behalte ich lieber meinen jetzigen Beruf.“ Eine weise Entscheidung. Der wilde Rebell aus der Gosse ist schließlich erwachsen geworden.
