Seit Michael Roll denken kann, stand für ihn fest, eines Tages im Cockpit eines Flugzeugs zu sitzen. Woher die frühe Faszination für die Fliegerei kam, weiß er heute nicht mehr. „Sie war einfach schon immer da, wie wohl bei vielen anderen Kindern und Jugendlichen auch.“ Angetrieben von seinem Kindheitstraum bewarb er sich nach dem Abitur bei der Lufthansa, doch war der Zeitpunkt denkbar ungünstig. Fast zeitgleich hatte die Kranich-Airline für die kommenden vier Jahre einen Ausbildungsstop in ihrem Pilotenprogramm verkündet. Sein Traum platzte jäh, den so lange konnte und wollte er nicht warten. Roll schlug einen anderen Weg ein, folgte den medialen Pfaden seiner Eltern ins Filmgeschäft und wurde Schauspieler.
1983 erhielt er seine erste Fernsehrolle an der Seite von Marie-Luise Marjan in „Einmal die Woche“. „Sie war mir damals eine große Hilfe, gab mir viele nützliche Tipps und holte mich das ein oder andere Mal zurück auf den Boden der Tatsachen“, erinnert sich der heute 47-Jährige an die übermütigen Anfänge seiner TV-Karriere. Danach ging alles Schlag auf Schlag. Roll nahm Schauspielunterricht und schon bald folgten weitere Engagements, daneben auch mehrere Theatertourneen. 1989 bescherte ihm seine Rolle in dem Historiendrama „Der Mann aus Salz“ die Auszeichnung „Bester deutscher Nachwuchsschauspieler“, diverse Gastauftritte in Dauerbrennern wie „Tatort“, „Derrick“ oder „Der Alte“ verschafften ihm zusätzliche Anerkennung. Mitte der Neunzigerjahre erlebte er seinen endgültigen Durchbruch als junger Kriminalassistent Axel Hübner an der Seite von Günter Strack in dem Mehrteiler „Der König“. Seitdem kommt Roll auf ein halbes Dutzend Drehs pro Jahr. Der Wiedererkennungswert seines markanten Gesichts ist hoch und sein Spiel von einer immensen Bandbreite. Mal mimt er den draufgängerischen Bösewicht, mal den Herzensbrecher und ein anderes Mal den (un-)treuen Ehemann. Auf einen bestimmten Rollentypen mag und will sich der gebürtige Münchener gar nicht erst festlegen. „Gerade dieses Abwechslungsreiche ist doch das Tolle an der Schauspielerei. Einmal spielt man einen Ganoven, der eiskalt Menschen umbringt, und eine Woche später einen liebevollen Familienvater, der sich um seine Kinder sorgt.“ Begeisterung bei den Fernsehzuschauer und Kritikern löste er zuletzt an der Seite von Uschi Glas in dem ZDF-Vierteiler „Zur Sache Lena“ aus. Und in Zukunft?
Ganz schön abergläubisch, der Herr Roll
Darüber schweigt sich der Schauspieler lieber aus, denn in dieser Beziehung ist Michael Roll ein wenig abergläubisch. „Bevor ich mich dazu äußere, wartete ich lieber bis die Tinte ganz trocken ist“. Zwei Projekte verrät er doch. Im Herbst dieses Jahres wird er in zwei neuen Folgen der beliebten Krimireihe „Kommissarin Lucas“ auf Verbrecherjagd gehen und auf der Kinoleinwand bekommt man ihn in dem gerade abgedrehten Märchenfilm „Morphus“ zu Gesicht. Viel Zeit für sein Hobby Golf bleibt da natürlich nicht, obwohl Roll seine große Leidenschaft für den grünen Sport bereits als Abiturient auf einer Amerikareise entdeckt hatte. Eigentlich wollte er damals mit seinem Cousin nur ein paar Runden auf der berüchtigten „Magic Mountain“-Achterbahn in Californien drehen, doch ausgerechnet an diesem Tag war der Rollercoaster geschlossen. Was nun, fragten sie sich die beiden, doch da fiel ihnen schon der gegenüberliegende Golfplatz ins Auge. Und da es in Amerika kein Problem darstellte, ohne Ausrüstung und Formalitäten sein Glück mit dem kleinen weißen Ball zu versuchen, wurden aus den beiden Achternbahn-Touristen begeisterte und ambitionierte Golfer.
Golfen mit Tabaluga zum guten Zweck
Mittlerweile hat sich der Ehrgeiz der jungen Jahre in eine relative Gelassenheit auf dem Grün gewandelt: „Früher habe ich die Schläger nach einer schlechten Runde noch zerbrochen, allerdings wurde das ein wenig zu teuer im Laufe der Jahre“, scherzt er. Heute geht es Roll (Hc 10) eher darum eine Runde mit Freunden zu genießen, als sich selbst seine Stärke zu beweisen. „Wenn ich gut spiele, freu ich mich und wenn nicht, dann ärgere ich mich heute natürlich auch noch, aber nur für zehn Minuten. Denn dann sage ich mir: Die Welt ist immer noch rund, meine Kinder sind gesund, was soll’s? Und wenn es beruflich gut läuft, brauche ich meine Energie doch anderswo.“ Überschüssige Energie steckt er in die Organisation seines alljährlichen Charity Golf Turniers. Das einstige Familien-Unternehmen „Königsturnier“, das heute Tabaluga Golf Cup heißt, wurde 1995 von Günter Strack und Michael Roll am Rande der Dreharbeiten zu der Serie „Der König“ ins Leben gerufen. Und damals, als die beiden überlegten, wem die Einnahmen aus ihrem Golfturnier zugute kommen sollten, war es eher Zufall, dass die Wahl auf die Tabaluga Kinderstiftung fiel. Die Stiftung von Peter Maffay, die schwer traumatisierte Kinder betreut und therapiert, liegt dem ausgemachten Familienmenschen besonders am Herzen. „Traumatisierte Kinder, das klingt immer so harmlos, dabei handelt es sich meist um schweren sexuellen Missbrauch, um körperliche Gewalt, auch in Familien“, erklärt Roll. „Wir betreuen diese Kinder in vier Therapiehäusern am Starnbergersee, von denen einige sogar ein lebenslanges Wohnrecht besitzen und darüber hinaus betreuen wir noch über 400 Kinder ambulant.“
Der ultimative Traum des Lebens
Dass solch ein Mammutprojekt natürlich Unsummen verschlingt, liegt auf der Hand. Daher lässt es sich Roll trotz seines engen Terminkalenders nicht nehmen, jedes Jahr genug Zeit freizuschaufeln, um sein Golf-Turnier für den guten Zweck zu veranstalten. Dieses Jahr wird er auf den Golf Club Valley von Michael Weichselgartner einladen. Kulinarische Unterstützung erhält er wie im Vorjahr von Franz Schmid, dem Besitzer vom Forsthaus Wörnbrun. Damit am 6. September 2008 auch genügend Teilnehmer mit ihren Spenden zur Unterstützung der Stiftung beitragen, wird Roll seine Gäste im Notfall auch persönlich einfliegen. Denn seinen einstigen Kindheitstraum vom Fliegen hat er während seiner Karriere nie aus den Augen verloren. Mit einem Hubschrauberpilotenschein, den er im Juni 2003 machte, ging sein lang ersehnter Wunsch letztendlich doch in Erfüllung. „Es ist der ultimative Traum des Lebens“, schwärmt er und recht hat er wohl, denn wo kann die Freiheit schon grenzenloser sein, als über den Wolken?
