„Golf ist ein guter Ersatz für Alkohol und Drogen… Es macht süchtig…“ Dieser Ausspruch stammte von keinem Geringeren als von Dennis Hopper, der am 29. Mai 2010 im Alter von 74 Jahren seiner Krebserkrankung erlag. Dennis Hopper wird uns allen immer als begnadeter Schauspieler, Regisseur, Ex-Exzentriker und passionierter Golfer in Erinnerung bleiben. Sein Handicap von 18,1 kam zwar nicht an das seines Freundes Alice Cooper heran (hc 4), es reichte jedoch allemal, um bei den Charity-Turnieren des Alt-Rockers in Scottsdale mitzuspielen. Dennis Hopper war zeitlebens ein absolut verrückter Golf-Maniac, wie er selbst immer wieder über sich sagte.
Im Mai letzten Jahres lud Alice Cooper zum elften Mal eine große Schar vom Promis zum Alice Cooper Golf Tournament zugunsten seiner „Solid Rock Foundation“ ein. Im vergangenen Jahr spielte Hopper mit Elke Sommer, Pat Boone, Glen Campbell und Ex-US-Vize-Präsident Dan Quayle. Wenige Tage später spielte der Golf-Süchtige bereits schon wieder bei dem angeblich weltweit größten Promi-Turnier auf dem Rancho Park Golf Course am Pico Boulevard in Los Angeles mit. Seit 1971 ist LA als Stadt Gastgeberin dieses Turniers, bei dem Polizeibeamte mit Hollywood-Größen zugunsten von Familien getöteter oder verletzter Polizeibeamter Golf spielen. Gemeinsam mit Alice Cooper und Damuel L. Jackson war Dennis Hopper auch bei den Mercedes Championships in Kapalua auf Hawaii und spielte in Pro-Ams mit den besten Golfern der Welt. Ehrensache war für Dennis, beim ersten Charity-Turnier seines Freundes Jack Nicholson, bei der „Jack Nicholson/Rudy Durant Celebrity Golf Classic“ im Rancho Palos Verdes Resort mitzugolfen.
„Wenn ich heute noch Drogen nähme, wüsste ich nicht, wer ich selbst bin, Frank Booth oder Micky Maus.“ Dennis Hopper, dessen 400 000 Dollar-Streifen „Easy Rider“ zu einem der nachhaltigsten Kult-Filme aller Zeiten avancierte, litt während seiner unorthodoxen Schaupieler-Karriere unter starkem Drogen-Konsum: „Ich trank an die drei Liter Rum pro Tag und spritzte innerhalb weniger Tage 14 Gramm Heroin. Es war die Hölle!” Die Sucht kostete ihn die zweite Ehe und brachte ihn in die Psychiatrie. Der Zwangs-Entzug in den siebziger Jahren veränderte sein Laben radikal und ließ ihn bis zum heutigen Tage clean bleiben. Alice Cooper lässt grüßen. Dennis war sogar einmal wegen Landstreicherei verhaftet worden.
„Damals habe ich gerne Spässe gemacht, wenn man mich fragte, ob ich Drogen nähme. ‚Mit Cannabis und Koks erträgt man leichter, Alkoholiker zu sein.’ Das fand ich seinerzeit sehr witzig. Fatalerweise war ich aber tatsächlich schon Alkoholiker.“
Einer der destruktivsten Außenseiter der Filmwelt wuchs auf der Weizenfarm seiner Großeltern auf. Nach dem Umzug der Familie ins kalifornische San Diego ermutigte ihn die Schauspielerin Dorothy McGuire seine schauspielerischen Talente, die er bei den San Diego Community Players und im La Jolla Playhouse bereits demonstriert hatte, weiter zu entwickeln. Dennis Hopper ging nach Hollywood. Sein Debut: Erste TV-Rollen, Nebenrollen in Filmen mit James Dean und ein Vertrag bei Warner. Dennis gehörte zu James Deans Clique, was so viel bedeutete wie die gemeinsame Leidenschaft für Drogen, schnelle Auto und Mädchen.
James Dean bedeutete Vorbild für Dennis Hopper. Mit ihm drehte er Mitte der Fünfziger Jahre die Film-Klassiker „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“. Den Unfall-Tod seines Freundes konnte Dennis Hopper nur sehr schwer verkraften. Mittlerweile ist Dennis übrigens der einzige noch Lebende aus der damaligen Clique. Noch heute schwärmt Dennis Hopper von der Einzigartigkeit seines Freundes James: „Er hatte etwas, das kein anderer Schauspieler hatte. Er hatte Tanz studiert und setzte seinen Körper ausdrucksstark in Szene wie ich es bei keinem anderen je gesehen habe. Er war ein Expressionist. Er verfügte über eine herausragende Emotionalität. Seine Körpersprache war beeindruckend.“
Sein störrisches, unbelehrbares und unkonventionelles Wesen behinderten die Karriere des im Sternzeichen Stier in Dodge City („Rauchende Colts“) geborenen Dennis stark, so dass sich das Talent, das Schauspiel-Unterricht im renommierten Actor’s Studio in New York unter Lee Strasberg genossen hatte, weiterhin mit Nebenrollen begnügen musste. Eine Anekdote, die das bestätigt: In einer Szene des Western-Streifens „Schieß zurück, Cowboy!“ widersetzte sich der junge Hopper den Regie-Anweisungen von Henry Hathaway, so dass die Szene knapp 80 Mal wiederholt werden musste. Nicht gerade der Grundstein für eine steile Karriere. Er trieb viele Regisseure in den Wahnsinn und stand ziemlich oben auf der Schwarzen Liste für sehr schlecht handlebare Mimen. Das Western-Genre brachte ihm Rollen Seite an Seite mit Burt Lancaster, John Wayne, Clint Eastwood, Paul Newman oder Kirk Douglas. Seit dieser Zeit übernahm Hopper auch immer wieder Gastrollen in Fernseh-Serien wie „Cheyenne“, „Westlich von Santa Fee“, „The Twilight Zone“, „Bonanza“, „Rauchende Colts“, „Big Valley“ oder auch „Time Tunnel“ – alles Serien-Klassiker, die über Generationen hinweg weltweit wiederholt wurden.
In den sechziger Jahren kreuzte der Protagonist des Anti-Establishments den Weg von Peter Fonda und Jack Nicholson, mit Letzterem er fast jede Woche Golf spielte. Die Freundschaft mit ihnen gebar den absoluten Low-Cost-Streifen „Easy Rider“. Das war unter anderem nur möglich, weil Dennis Hopper Co-Autor war, die Hauptrolle spielte und obendrein auch noch die Regie führte, für die er seine erste Oscar-Nominierung erhielt. Sie schockten damit die Film-Industrie, denn dieser Film passte in kein Schema. Die Branche hob die Augenbrauen, Dennis Hopper blieb allerdings unverändert der Alte – eben „born to be wild“. Der Folgestreifen war dann auch ein Flop. Dennis musste sich mit so genannten B-Movies über Wasser halten. Er filmte zu dieser Zeit in Australien und sogar in Deutschland („Der amerikanische Freund“). Er durchlebte eine verschlungene und in der Filmgeschichte Hollywoods wohl auch außergewöhnliche und ebenso einmalige Odyssee, die ihn zum Teil für Jahre in der Versenkung verschwinden, aber auch wieder mit bemerkenswerten Filmen erscheinen ließ – wie zum Beispiel mit der Rolle eines perversen Sadisten in David Lynch’s Blue Velvet (1986). Wie auch bei anderen Revoluzzern seiner Branche stellte sich bei dem James Dean-Erben Ende der achtziger Jahre langsam eine gewisse Altersmilde ein. Er siedelte von Taos (New Mexico) in ein neues Domizil nach Los Angeles und übernahm erneut Nebenrollen, die er eindrucksvoll verkörperte, wie zum Beispiel als schwächlicher Alkoholiker in „Rumble Fish“ oder in dem Basket-Ball-Drama „Freistoß“, wofür es in der Rolle des alkoholkranken Trainer-Assistenten immerhin eine weitere Oscar-Nominierung gab. Einen Oscar hat Dennis Hopper übrigens nie bekommen.
Es gab schließlich ein Comeback als Regisseur mit dem Bandenkrieg-Epos „Colors – Farben der Gewalt“, der in Los Angeles spielt, kontroverse Debatten auslöste, aber auch die Kassen klingeln ließ. Dennis Hopper entwickelte sich in den neunziger Jahren fortan zu einem der nachgefragtesten Regisseure und Schauspieler, vor allem auch brillanten Charakter-Darsteller. Er wirkte innerhalb von acht Jahren in rund 30 Filmen mit, Filme, die zum Teil zu den Klassikern aus der Hollywood-Schmiede zählen. Filmpreis-Nominierungen bekam Dennis für „Tollwütig“ als bester Darsteller, und es folgten Highlights wie „Red Rock West“, „True Romance“, „Speed“, „Waterworld“ oder „The Moviemaker“. Die deutsche Synchron-Stimme von Dennis Hopper stammt übrigens von Lutz Mackanzie. Einer der jüngsten Filme ist das Horror-Groß-Ereignis „Land Of The Dead“ unter der Regie von Zombie-Altmeister George A. Romero.
Hoppers berufliches Leben war Spiegelbild seines Privatlebens, denn seine Unangepasstheit war zunächst immer mit Alkohol- und Drogen-Problemen gepaart. Er hat vier Ex-Ehefrauen – ausnahmslos Schauspielerinnen und mittlerweile vier Kinder im Alter von drei bis 44 Jahren – gut auf seine Frauen verteilt. Eine seiner Ehen hielt lediglich eine Woche. Seit elf Jahren ist er mit Nummer fünf, mit Victoria Duffy, verheiratet, was bereits eine Ewigkeit für ihn bedeutet, denn drei seiner Ehen fanden in einem Zeitraum von sieben Jahren statt. Victoria ist Reiterin und bildet Pferde aus. „Sie ist eine großartige Mutter“, schwärmt Dennis als Vater seiner jüngsten Tochter von Victoria, „sie ist sehr stark in der Politik engagiert und sammelt Geld für die Demokraten. Trotz der unterschiedlichen politischen Seiten führen wir eine wunderbare Beziehung! Zu Hause reden wir ohnehin nicht über Politik. Meine kleine Tochter ist das Licht in meinem Leben. Sie ist einfach wundervoll. Und es ist ebenso spannend, sie täglich zu beobachten, wie sie neue Dinge lernt und sich entwickelt. It’s a thrill!“ Seine Tochter ist nur ein Jahr älter als sein erstes Enkelkind.
Der Republikaner und George W. Bush-Wähler Dennis Hopper war auch Maler und Fotograf mit weltweiter Reputation. Seine Werke hängen in Galerien rund um den Globus. Seit vielen Jahren wirbt er übrigens für die Ford Motor Company. Nach mehr als 140 Filmen gefragt, welches seine Lieblings-Rolle in den vergangenen 50 Jahren gewesen sei, antwortete er spontan: „Easy Rider. Das war wahrscheinlich das Highlight meines Lebens.“
