Das dachte sich wohl auch Samuel L. Jackson und trat seinen Weg nach Hollywood an, wo er seit vielen Jahren als einer der Superstars rangiert und mit Millionen-Honoraren seine weißen Kollegen matt setzt. Im Ernst: Samuel Leroy Jackson, Jahrgang 1948 hatte einen Sprachfehler. Was ein Kerl ist, der gibt sich damit aber nicht ab, sondern er stellt sich sei-nem Problem. Der kleine Sam strebte also in den Schulchor und dann ans Saxophon, wie es sich für einen Schwarzen mit Soul und Blues und in Jazz in der Seele gehört. Der Weg führte ihn in die Theatergruppe, da ein Therapeut ihm dazu geraten hatte. Die Wege des Herrn …
Es kann nicht einfach gewesen sein für SLJ, wie er in Fankreisen genannt wird, und in der Tat ist nur wenig bekannt über seine Jugend. Während sei-ner Studienjahre am Moorehaus College in Atlanta setzte er sich für die Rechte von Schwarzen ein – und flog von der Hochschule. Noch zu Beginn seiner Karriere als New Yorker Bühnenschauspieler soll er sich ein Zubrot als Türsteher in dem angesagten Manhattan Plaza mit seinen Luxus-Apartments verdient haben, in dem renommierte Schauspieler ihre Lofts hatten. Auch in der Bill Cosby Show wirkte er mit – als Kabelträger und Kamera-Assistent. Heute gilt Jackson als einer der am härtesten arbeitenden Hollywood-Stars. Und die Kinogänger zollen dem Tribut: In einer Statistik, für die die Traumindustrie bekannt ist wurde errechnet, dass seine Filme mehr Geld einge-spielt haben als die des langjährigen Spitzenreiter Harrison Ford. Mehr als 53 Milliarden Dollar waren es schon 2005. Solchen Erfolg hält Jackson gerne flach. In einem Interview mit dem Filmdienst imdb.com erklärte er: „Ich war so lange ein Idiot, dass es mich immer noch überrascht, dass die Leute mich für cool halten.“
Die Coolness in Person
Es ist eine grandiose Präsenz und teilweise dämonische Coolness, die der schwarze Charakterdarsteller ĂĽbermittelt, und es ist ein feines Händchen fĂĽr auĂźergewöhnliche Filmrollen, die SLJ in die Hitliste katapultiert haben. Sicherlich am skurrilsten und am heftigsten diskutiert ist die des philosophie-renden Killers Jules in Quentin Tarantino’s „Pulp Fiction“, fĂĽr den Jackson eine Oscar-Nominierung erhielt. Aber auch in anderen Klassikern wie „Der Prinz aus Zamunda“, „Sea of Love“, „Der Exorzist III“, „Good Fellas“, „Die Stunde der Patrioten“, „Jurassic Park“ sowie Auftritten in der auch hier be-liebten TV-Serie „Law & Order“ zeigte Jackson bis in die beginnenden 90er Jahre, dass er zurecht als Superstar der Studios gehandelt wurde. Und als Mr. Coolman. Als er fĂĽr seine Rolle in Pulp Fiction nicht wie erhofft den Oscar gewann, soll er verkĂĽndet haben: „Dieser ‚Oh, welche Ehre nomi-niert zu sein’-Bullshit ist nicht mein Ding. Wenn ich an einem Wettbewerb teilnehme, möchte ich verdammt noch mal auch gewinnen. Es gibt schlieĂźlich keinen ScheiĂź-Silber-Oscar!“. Dabei, so meint nicht nur Yahoo-Movies, „hätte er fĂĽr seinen Part nicht nur den Oscar verdient gehabt, sondern dazu noch die Ehrenplakette fĂĽr Coolness Deluxe in Platin.“
Sex, Drugs & Hollywood
Wie alle Superstars hatte allerdings auch Jackson ein Problem: Drogen. Erst eine Entziehungskur und Therapie fĂĽhrten ihn 1991 auf den Boden zurĂĽck. Seine Erfahrungen mit Abhängigkeit konnte er in dem Film „Jungle Fever“ ausdrĂĽcken, in dem er einen Crack-SĂĽchtigen spielt – und bei den Filmfest-spielen in Cannes ausgezeichnet wird. Wie trocken Jackson seither ist, sieht man seinen Filmen an. AufwĂĽhlend und von besessener Zielstrebigkeit ist beispielsweise seine Figur des Elijah Price in „Unbreakable“ aus dem Jahr 2000. Price, der mit der Glasknochen-Kranheit geschlagen ist, trifft auf den unverletzbaren David Dunn alias Bruce Willis und zieht ihn in seinen ebenso dynamischen wie zerstörerischen Bann. Zu Recht wurden beide Schauspie-ler mit unzähligen Preisen und Nominierungen ĂĽberhäuft. 1994 markierte fĂĽr Jackson einen Meilenstein. Mit „Pulp Fiction“ und drei anderen im gleichen Jahr erschienen Filmen, eroberte er einen Platz im Hol-lywood-Olymp. Es folgten Filme, die heute rund um den Globus bekannt sind, und die von der immer ausgefeilteren Darstellungskunst Jacksons pro-fitieren. „Stirb langsam“, „Die Jury“, „187 – eine tödliche Zahl“, „Jackie Brown“, Auftritte in drei „Star Wars“ Teilen, „Spurwechsel“, „xXx – Tripple X“ und „Das Gesicht der Wahrheit“ sind nur eine kleine Auswahl der enormen Schaffenskraft, mit der sich Jackson im Gedächtnis der Cineasten festsetzt. Unvergesslich auch die Rolle als „megacooler Kult-Cop“ – wie das ProSieben-Starportrait ihn nennt – „Shaft“ und „Shaft – noch Fragen?“. Hier spielt er den superlässigen Detektiv, der nach Meinung von Regisseur John Singleton „heiĂźer als Bond und schneller als Bullit“ ist.
Von FamilienglĂĽck, Oscars und Bogeys
Anders als viele andere Hollywood-Größen hält SLJ sein Privatleben so bedeckt wie möglich. Seit 1980 ist er mit der Schauspielerin LaTanya Richardson verheiratet, seiner großen Studentenzeit-Liebe, die er im Schauspielunterricht in Atlanta kennen gelernt hatte. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter, Zoe. Und mit der inzwischen jungen Frau sorgte Jackson 2005 für eine brodelnde Gerüchteküche, als sie bei einem gemeinsamen Italienurlaub von Paparazzi für ein turtelndes Pärchen gehalten werden. Der Mann dürfte bei all der Arbeit eigentlich gar kein Privatleben haben – hat er aber, auch wenn nicht viel darüber bekannt ist. In seinem feudalen Haus in Los Angeles ließ er sich ein Privatkino einbauen – es gibt eben Leidenschaften, die man nicht nur öffentlich ausleben kann. Daneben gilt Jackson als passionierter Golfer. Ähnlich wie viele andere Hollywood-Größen entspannt er sich bei Spielen, findet Ruhe und Konzentration. „Golf hat mein Leben aufgeräumt“, erklärte er kürzlich einer deutschen Zeitschrift, „mir neue Ziele und eine Lebensauffassung mit viel Spaß und Frieden vermittelt.“ Zwei bis drei Mal pro Wochen sollte mindestens eine Partie Golf drin sein – am liebsten täglich. Das Gerücht, dass er nur in der Nähe von Golfplätzen dreht, weist der leidenschaftliche Golfer mal zurück, mal gibt er die „Jack-son-Klausel“ zu. Und wie es beim Golf bisweilen ist, hier treten Schwächen in der Fassade zu Tage. Jackson beispielsweise gibt zu, dass er Angst vor Klapperschlangen auf Golfplätzen hat. In einem Interview erklärte er: „Du musst schnell sein. Man sollte seinen Golfschläger eigentlich nie aus der Hand nehmen.“ Denn wenn er eine Schlang sieht, haut er zu und macht Lärm. Viel Lärm. „Da bekommt jede Schlange Angst.“ Und ein Geständnis machte Jackson im gleichen Interview mit der Tele-schau. Er vertraute dem Journalisten an, dass ein Turniersieg beim Golf im wichtiger wäre als ein Oscar. Was nach Koketterie klingt, erklärt der Schau-spieler so: „Bei einem großen Turnier zu siegen, würde zumindest länger in Erinnerung bleiben als der Glanz des kleinen goldenen Mannes. Der Oscar-Ruhm hält eine Nacht, höchstens noch die folgende Woche. Vielleicht hilft er auch dabei, den nächsten Vertrag auszuhandeln. Aber ein Sieg bei einem Golfturnier ist für die Ewigkeit.“ Da ist er wieder, der Meister der Lässigkeit. Und wie schreibt yahoo-Movies so passend? „Eigentlich müsste er Samuel C. Jackson heißen. C wie cool.“
