Der Ruhestand eines Tennisstars beginnt früh, gut wenn der Rentner sich zu beschäftigen weiß. Und das immerhin weiß der rothaarige Tausendsassa. Er dreht Werbespots, arbeitet gelegentlich als Tennismoderator, engagiert sich in seiner eigenen Stiftung, wechselt medienwirksam die Freundin oder die Verlobte, heiratet in St. Moritz und tut das, was alle Rentner, die etwas auf sich halten tun: er golft.
Becker golft aber nicht nur so rentnermäßig vor sich hin. Er organisiert eigene Turniere auf seinem Heimplatz Golf de Andratx in Camp de Mar, wo prominente Freunde und Bekannte für einen guten Zweck spielen und setzt die Spenden dann in seiner Stiftung ein. Und weil alles ein Geben und Nehmen ist, spielt er dann wieder bei den Golfturnieren seiner prominenten Freunde und Bekannten mit. Der Mann kommt also zum üben und so ist es kein Wunder, dass er ein Handicap zwischen sieben und acht pflegt. Ein Anfänger, oder gar ein Sonntagsgolfer, wie viele seiner Promi- und Ex-Promi-Kollegen ist das Tennis-As nicht. Er hat nämlich nicht erst zum Schläger gegriffen, als sein Sportler-Stern schon am sinken war, sondern schon mit 16 Jahren den Ausgleich auf dem grünen Rasen gesucht. Weil neben seinem Arbeitsplatz, den Tennisplätzen der Welt, fast immer auch ein Golfplatz zu finden war, nutzte schon der junge Tennisprofi die Gelegenheit, sich mit einem anderen Ball-und-Schlägerset zu beschäftigen. Für den Senkrechtstarter eine willkommene Ablenkung vom Spiel am Netz. Ein Spiel, bei dem er einerseits ein paar Vorteile hatte, weil Koordination und Ballgefühl damals schon sein gesamtes Leben bestimmten, ein Spiel aber auch, das andererseits ganz andere Qualitäten forderte.
Lebte der junge Becker davon, beim Tennis perfekt auf seinen Gegner zu reagieren, so fand er sich beim Golf vollkommen auf sich selbst zurückgeworfen. „Was mich als erstes wirklich am Golfspiel fasziniert hat, war die absolute Auseinandersetzung mit sich selbst. Du allein bist es, der über einen guten oder einen schlechten Schlag entscheidet. Du allein musst die Verantwortung tragen. Golf ist ein stetiger Kampf der Mächte in die selbst, deiner Tugenden mit deinen Schwächen, deines Temperaments mit deinem Charakter.“ So beschrieb er es einmal gegenüber der Welt-Online. Der Sportler der Jahre 1985, 1986, 1989, 1990 kommt beim Golf also endlich an die persönlichen Grenzen. Fast. Denn allzu verbissen mag er das Spiel aber dann doch nicht betreiben. Eher mit Spaß und Spannung. Deshalb erinnere er selbst sich auch immer nur an die guten Schläge, an die schlechten erinnern ihn schon seine Freunde.
Überhaupt stellt Becker den geselligen Teil des Sports besonders heraus. Wer fünf Stunden lang miteinander über den Platz geht und hinterher noch ein Bier zusammen trinkt, lernt sich kennen. „Das hat schon etwas Gemütliches“, meint Becker. Was allerdings nicht überdecken soll, dass Golf auch ein Sport ist. „Man bewegt sich auf der frischen Luft und letztlich geht es doch ums Gewinnen und Verlieren.“ Vor allem aber ums Verlieren. Denn als Amateur, klagt Becker, spielt man nie wirklich gut. Zwischendurch denke man zwar, man habe es jetzt endlich raus, aber das Gefühl halte eben doch nur immer ein paar Schläge lang an. Dann ist die Realität wieder da. Mit ihren Bogeys und der ungemütlichen Konfrontation mit sich selbst und den Parallelen zu allen anderen Bereichen den Lebens. „Andere sagen, Golf ist wie eine Liebesbeziehung: Nimmst du sie nicht ernst, hast du keinen Spaß, nimmst du sie ernst, bricht dir das Herz. Für mich ist Golf ein wunderbares Spiel.“
