Wer sich auf den Weg im traditionsreichen Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln macht, um Jeane Freifrau von Oppenheim in ihrer Firma „Transart Kunst und Kultur Projekte“ zu treffen, denkt unweigerlich, er wandele durch eine Ausstellung für zeitgenössischer Kunst und Fotografie. Wohin das Auge blickt, überall hängen Werke und stehen Skulpturen aus der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. Verantwortlich für die beeindruckende Kunstsammlung ist die Baronin selbst, die als Kunstberaterin bedeutende Unternehmen, renommierte Galerien und Museen bei Konzepten, Sammlungen und Ausstellungen berät. Nicht wenige Künstler verdanken ihr den Sprung in die erste Liga und ihr sicheres Gespür für zeitgenössische Kunst und Fotografie ließen sie zu einer gefragten und viel beschäftigten Kunstberaterin werden.
Angefangen hatte alles mit einem Freundschaftsdienst vor mehr als zwanzig Jahren. „Damals fragte mich ein befreundeter Vorstandsvorsitzender, ob ich nicht eine Sammlung für sein Unternehmen aufbauen könnte, damit die Besucherzimmer endlich im modernen Glanz erscheinen. Das habe ich getan und dasselbe noch ein paar weitere Male für andere Freunde und Bekannte, bis mich mein Mann eines Tages fragte: Warum machst du das eigentlich nur als Freundschaftsdienst? Du kannst das doch auch als Geschäftsfrau machen!“ Gesagt, getan. Binnen weniger Jahre avancierte die Baronin zur renommierten Kunstmanagerin. Angesichts solch einer reibungslosen Karriere, stellt sich unweigerlich die Frage, was eine erfolgreiche Kunstberaterin auszeichnet? „In erster Linie muss man seine Hausaufgaben machen“, erklärt sie. „Und diese Hausausaufgaben bestehen darin, sich gründlich zu Informieren, Galerien und Ausstellungen zu besuchen und vor allem Kontakte zu knüpfen, damit einem später neue Werke und Künstler angeboten werden. Dank des Internets funktioniert das das heutzutage viel einfacher, schließlich kann man nicht überall auf der Welt zugleich sein.“ Das klingt einleuchtend und nachvollziehbar. Besonders vor dem Hintergrund ihrer unzähligen Aktivitäten innerhalb der deutschen Kunst- und Kulturszene (z.B. als Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Museums für Fotografie in Berlin, als Mitglied im Ausschuss des Wallraf-Richartz Museums und Museums Ludwig oder als Vorsitzende des Amerika Haus e.V.) sowie ihrem tatkräftigen und langjährigem Engagement für die Deutsche Aids-Stiftung.
Denn dem Kampf gegen die Immunschwächekrankheit hat sie sich den achtziger Jahren ebenso leidenschaftlich verschrieben wie ihrem Beruf. Woher ihr tatkräftiges Engagement in Sachen Aids rührt, ist schnell erklärt: „Weil zu dieser Zeit auch sehr viele Künstler und Galeristen in Amerika und Europa von Aids betroffen waren. Und da man nur sehr wenig über diese Krankheit wusste, sind viele von ihnen gestorben. Das war sehr furchtbar und ich habe mich gefragt, wie ich helfen kann.“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. 1987 veranstaltet sie mit „Art against Aids“ ihre erste Kunstauktion, die am Ende eine Millionen Mark für die Deutsche Aids-Stiftung einbrachte. Ein unglaublicher Erfolg, der sie beflügelte weiterzumachen. Seitdem organisiert die Baronin fast jedes Jahr eine Fundraising-Veranstaltung für die Aids-Stiftung, wie auch in diesem Jahr wieder. So bittet die Baronin am 21. November 2009 zum Tanz, genauer gesagt zur Aids-Gala „Tanzen um die Welt“ in die Lanxess Arena in Köln.
Dass bei soviel beruflichen und karikativen Engagement nicht mehr viel Freizeit übrig bleibt, liegt auf der Hand. Dennoch hat Baronin Oppenheim mit dem Golfen eine weitere Leidenschaft für sich entdeckt, die zwar sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, sie aber seit den ersten Schwüngen nicht mehr los gelassen hat. Und dass, obwohl sie dem Golfsport zeitlebens eher skeptisch gegenüberstand. „Eigentlich habe ich das Golfen immer verpönt und gedacht Golfen sei langweilig und nur was für alte Leute.“ Eine Sportverletzung ließ die Skeptikerin schließlich umdenken und am Ende sogar zu einer passionierten Golferin werden. „Als ich eines Tages ein Knieproblem bekam, so dass ich nicht mehr Tennis spielen und Ski laufen konnte, und all meine Freunde Golf spielten, dachte ich mir: Jetzt will ich das auch mal probieren.“ In ihrer zweiten Heimat, in Palm Beach Miami, wird sie schließlich Mitglied im The Breakers Golf Club und ist sofort mit dem Golfvirus infiziert. „Dort hatte ich eine wahnsinnig nette Lehrerin gehabt, die mir das Spiel beigebracht hat. Es ging alles so schnell und so gut, dass ich innerhalb von 14 Tagen meine Platzreife abgelegt habe.“ Das ist mittlerweile drei Jahre her und inzwischen verbringt die Kunstberaterin fast jede freie Minute auf dem Grün, nimmt an Turnieren teil und hat sich ein beachtliches Handicap von 28 erspielt. Und trotz all des Vergnügens auf dem Golfplatz, verliert sie auch dort ihre soziale Ader nicht aus den Augen. „Da der Charity-Aspekt unter Golfern sehr groß ist und viele etwas tun und helfen wollen, lassen sich sehr schnell und unkompliziert Benefizturniere ins Leben rufen, bei denen viel gespendet wird.“ Das beweist einmal mehr, dass sich Arbeit und soziales Engagement auch in der eigenen und knapp bemessen Freizeit nicht ausschließen müssen. Es braucht nur Menschen mit dem nötigen Drive dazu. Jeane Freifrau von Oppenheim ist zweifelsohne eine davon.
