Alter schĂŒtzt vor Leistung nicht

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Willi BĂŒker und Otto Kern am 18. Abschlag im Golf Club Lipperland

„Golfspieler leben lĂ€nger“, las ich kĂŒrzlich in einer Kolumne. „Bewegung an der frischen Luft, Beanspruchung eines Großteils der Muskulatur, und höchste Konzentration bei jedem Schlag fördern die Durchblutung des Gehirns.”

Wer gesund alt werden will, muss beizeiten etwas dafĂŒr tun, denn altern ist kein plötzliches Ereignis. Der Alterungsprozess gehört zum Leben.

Ich bin auch nicht mehr so ganz jung, aber dass es Golfspieler geben soll, die mit 87 Jahren noch dreimal in der Woche auf den Platz gehen und 18 Löcher spielen, konnte ich kaum glauben. Ich hörte mich um und erfuhr, dass es im Golf Club Lipperland Lage gleich zwei Golfer gibt, die 87 Jahre alt sind, und regelmĂ€ĂŸig eine ganze Runde spielen.
Wir verabredeten uns und spielten 18 Löcher auf ihrem nicht ganz leichten Heimatplatz im schönen Lipperland bei Detmold.

Willi BĂŒker heißt der eine, und Otto Kern der andere. Beide sehen nicht annĂ€hernd so alt aus, wie sie sind. „Fit wie ein Turnschuh“, sagt man wohl gemeinhin zu einer derart guten Konstitution.
Als ich vor der Runde frage, ob wir mit einem Elektro-Cart fahren wollen, lehnen beide empört ab. „Das können wir machen, wenn wir alt sind. Noch brauchen wir diese Laufhilfen nicht!“
Ob sie – wie es die Regeln fĂŒr ĂŒber 80 jĂ€hrige erlauben– vom Damen Tee abschlagen wollen, traue ich mich nun gar nicht mehr zu fragen.

Ich staune ĂŒber das, was ich auf der Runde erlebe. Otto schlĂ€gt sehr sicher geradeaus und ist mit seinen AbschlĂ€gen fast so lang wie ich, oder auch schon mal lĂ€nger. Willi hĂ€lt sich zurĂŒck, aber auch seine BĂ€lle fliegen gut und landen fast immer in der Mitte der Fairways. Keiner der beiden verliert auf den 18 Bahnen einen Ball. Nur ich. Auf der Neun schlage ich meinen Ball links zwischen die BĂ€ume, und den finden wir nicht wieder.

Beide haben große StĂ€rken. Otto ist bei langen SchlĂ€gen sehr sicher, Willi macht seine Punkte durch perfekte AnnĂ€herungen aufs Green. „Gelernt ist gelernt“, lacht er.
„Gelernt kann ich von mir nicht sagen“, wirft Otto ein, „ich spiele seit fast 75 Jahren Golf, aber eine Trainerstunde habe ich nie gehabt“. Respekt, Respekt, sein Schwung ist geradezu perfekt.

Willi und Otto spielen richtig gutes Golf. Bogey oder auch schon mal besser ist bei Otto normal, ĂŒber Doppelbogeys regt er sich auf, spielt er ein Par, dann strahlt er. Willi ist nicht ganz so anspruchsvoll. „FĂŒr mich ist ein Score unter 100 SchlĂ€gen auf einer Runde ein sehr gutes Ergebnis“.

Nach der Neun machen wir eine kleine Pause. Aber nicht, weil meine beiden Oldies das so wollen, sondern weil ich die Gelegenheit nutzen will, etwas ĂŒber ihr Leben zu erfahren.
Wir setzen uns in die Halftime-HĂŒtte und trinken Kaffee. Essen wollen beide nichts. „Das belastet nur, eine Banane wĂ€hrend der Runde ist genug!“

Willi BĂŒker war Direktor der Sparkasse in Detmold und bekam im Ruhestand fĂŒr seine vielen ehrenamtlichen TĂ€tigkeiten das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Seit seiner Jugend trieb er regelmĂ€ĂŸig Sport. Beim Feldhandball als Spieler, beim Hallenhandball als Torwart und im Tennis als erfolgreicher Mannschaftsspieler. 25 mal hat er das Goldene Sportabzeichen gemacht. Mit 62 Jahren nahm er seine erste Trainerstunde und wurde zweimal Clubmeister bei den Senioren. Tennis und Golf hat er bis heute bei behalten. „Golf spiele ich zwei- bis dreimal, und Tennis einmal in der Woche zwei Stunden im Doppel, das hĂ€lt gesund. NatĂŒrlich weiß ich, dass es ein großes GlĂŒck ist, mit 87 noch so fit zu sein, wie ich es bin“, macht er eine Pause, „aber ich habe in meinem ganzen Leben auch Einiges dafĂŒr getan. Von nix kommt nix“, lacht er mich an.

Otto Kern war Abteilungsleiter in einem großen Betrieb in Braunschweig. „Ich habe mit elf Jahren als Caddie –zu der Zeit war ein Caddie noch Pflicht – angefangen und durfte mit Dreizehn schon an den Deutschen Caddie-Meisterschaften teilnehmen.“ Der Krieg unterbrach seinen golferischen Höhenflug. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs konnte er in seinem Heimatclub in Braunschweig wieder spielen. Sehr bald war er eineinstellig. Mit Handicap -1 gehörte er in den 60ger Jahren zur Spitzenklasse der deutschen Amateurgolfer. Er spielte in der deutschen Nationalmannschaft und wurde mehr als 20-mal Clubmeister. Vor elf Jahren gelang ihm eine 75, und das war ein Schlag weniger als sein Lebensalter. „Das“, so sagt er mir, „möchte ich im nĂ€chsten Jahr wieder erreichen. Mit 88 Jahren eine 87 hier auf diesem Platz“. Ich traue es ihm zu.

Meine beiden Spielpartner drĂ€ngen zum Aufbruch. „Mehr als zwei Flights wollen wir nicht durch spielen lassen, wir werden sonst kalt und kommen zu sehr aus dem Rhythmus“.
Und tatsĂ€chlich, die Pause und meine vielen Fragen haben beiden nicht gut getan. Sie brauchen zwei Bahnen, um wieder richtig gut drauf zu sein. Ab der Zwölf, ein sehr langes Par 4, spielen sie wieder so gut wie vor der Pause. Sie bewegen sich fast wie Golfer im besten Mannesalter. Ich habe nicht den Eindruck, dass es sie besonders anstrengt. Das GolferglĂŒck lacht ihnen aus den Augen.

Willi und Otto nehmen das Ganze zwar ernst, aber irgendwie stehen sie ĂŒber den Dingen. „Wir mĂŒssen niemandem mehr etwas beweisen. Die Bewegung an der frischen Luft tut unserem Leben gut, und das wollen wir so lange wie möglich machen“. Das Spiel der beiden lĂ€sst ahnen, dass das noch lange so weiter gehen kann.
Nach der Runde unterhalten wir uns im Clubhaus. Ich frage nach ihren Vorbereitungen aufs Spiel, nach ihrer ErnĂ€hrung und nach vielem mehr. Vor allem aber will ich wissen, welchen Rat sie den JĂŒngeren geben, gesund alt zu werden.

„RegelmĂ€ĂŸig Sport, nicht nur mal zum Schwimmen gehen oder ab und zu wandern. Die Stetigkeit ist wichtig, sonst bringt das nichts. Wer nie Sport getrieben hat und Golf als einen Spaziergang mit KrĂŒckstock sieht, der sollte im Alter – so etwa ĂŒber 70 – nicht mehr mit dem Golfspielen anfangen. Er wird es zu nichts bringen, und dann macht Golf keinen Spaß“.

„Wir wissen natĂŒrlich, dass man auch sehr viel GlĂŒck haben muss, um mit fast 90 Jahren noch gesund und alters- entsprechend fit zu sein. Jedes Alter hat seine Schwierigkeiten, und das ist etwas, was in gewisser Weise konstant bleibt, doch damit muss man umgehen können. Wenn Du alt werden willst, musst du Dein Leben beizeiten darauf einstellen.

“Wir hören nicht auf Golf zu spielen weil wir alt werden; wir wĂŒrden alt werden wenn wir aufhörten Golf zu spielen!“

www.gclipperland.de

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