Mit der gelben Filzkugel wusste Karsten Solheim umzugehen. Topspin, Slice und Loop waren für ihn keine Herausforderungen. Schließlich spielte er seit über zwei Jahrzehnten Tennis. Als er jedoch 1953 die Schläger wechselte und zum Eisen griff, hatte er plötzlich Probleme am Ball. Besonders das Putten bereitete ihm Schwierigkeiten. Selbst wenn er genau zielte, der weiße Ball wollte Partout nicht ins Loch fallen. Für Solheim, der in Berkley Maschinenbau studiert hatte, war die Fehlerquelle schnell ausgemacht. Nicht sein mangelndes Spielvermögen war schuld an seinen dauernden Triple-Bogeys, sondern die unsaubere Verarbeitung der Putter, die präzise Schläge kaum zuließen. Was tun, fragte er sich? Einfach abfinden wollte er sich mit der Situation jedenfalls nicht. Und so begann er zu grübeln, bis ihm eine geniale Idee kam. Als langjähriger Tennisspieler wusste er, dass bei der Konstruktion von Tennisschlägern verschiedene Gewichte in den Rahmen eingesetzt wurden, um den Saiten mehr Power und dem Schläger mehr Stabilität zu verleihen. Dieses Prinzip müsste sich eigentlich auch beim Putten einsetzen lassen, dachte sich der clevere Ingenieur und übertrug das Verfahren auf die von ihm verhassten Schläger. Sogleich begann er in seiner Garage mit der praktischen Umsetzung und tüftelte an einem Putter, bei dem jeweils ein Gewicht im Bereich der Ferse (Heel) und des Schlägerkopfes (Toe) steckte. Diese Bauweise sollte dazu führen, dass der Putter in der Mitte einen „Sweetspot“ bekam, der dem Schläger eine hohe Fehlerverzeihung verlieh und es dem Spieler ermöglichte, endlich präzisere Schläge auszuführen.
Ein Schläger geht an den Start
Einen Prototyp baute Solheim noch am selben Tag. Er nahm dafür zwei Stück Würfelzucker, auf deren Außenseite er jeweils ein Holzstäbchen klebte und in der Mitte einen Schaft befestigte. Fertig war das legendäre „Heel-Toe Design“. Bis Solheim allerdings eine erste spielbare Version entwickelte, vergingen noch Jahre. 1959 war es soweit. Erste Tests hatte sein neu entwickelter Putter bereits erfolgreich absolviert, jetzt fehlte ihm nur noch ein Name. Der Zufall kam dem tüchtigen Tüftler zur Hilfe. „Ich hörte plötzlich ein Geräusch und habe mich derart erschreckt, dass ich den Putter auf den Boden fallen ließ“, erinnerte sich Solheim an die Geburtsstunde seiner Unternehmung. „In diesem Moment wusste ich, wie ich meine neuen Putter nennen werde: Ping!“ In der Folgezeit verbrachte der gebürtige Norweger immer mehr Zeit auf dem Golfplatz, um seine Erfindung kostenlos an Spieler zu verteilen und nützliche Informationen über das Handling zu sammeln. Der Proshop-Besitzer seines Clubs riet ihm schließlich dazu, seine Putter in größeren Stückzahlen herzustellen und diese mit Hilfe der Golfprofis zu verkaufen. Gesagt, getan. Tagsüber besuchte Solheim Turniere, präsentierte seine Putter und bot sie den Golfstars zum Testen an. Nachtsüber tüftelte und bastelte er weiter in seiner Garage, schliff Köpfe und erhitzte sie in seinem Küchenofen, um sie an den Schaft anzupassen. Tags darauf war er wieder auf den Fairways unterwegs. Allmählich verbreitete sich unter den Profis, wie sehr der „Ping Putter“ das kurze Spiel verbesserte und immer mehr Spieler griffen auf seine Erfindung zurück. Siege von Gloria Armstrong und John Barnum auf der PGA-Tour sowie ein Artikel in der „Sports Illustrated“ über den „musikalischen Putter“ hielten das junge Geschäft am Leben.
Mit Tempo 100 auf dem Highway
Bald darauf erweiterte er sein Repertoire und widmete sich auch der Herstellung von Eisen und Hölzern. Zwar besaß Solheim zu dieser Zeit kaum Mittel, um seine Neuentwicklungen aufwendigen Tests zu unterziehen, dafür aber eine gehörige Portion an Improvisationstalent: Um den Luftwiderstand seiner Eisen zu testen, hielt er sie bei Tempo 100 einfach aus dem Autofenster. Als 1966 sein neu entwickelter Putter „Anser“ in Produktion ging, gelang ihm schließlich der Durchbruch als Unternehmer. Die Vermarktung seiner neuen „Wunderwaffe“ beschränkte zwar immer noch auf Mund-zu-Mund-Propaganda, aber nachdem Jack Nicklaus, Arnold Palmer und Julius Boros mit dem „Anser Putter“ die Höhepunkte ihrer Golfkarrieren feierten, stiegen die Verkäufe seiner Schläger so rasant an, dass sich Solheim dazu entschied, die „Karsten Manufacturing“ zu gründen. Er lieh sich 1.100 Dollar bei einer Bank, kaufte ein 200 Quadratmeter großes Gebäude in Phoenix, engagierte seinen ersten Angestellten und nur ein Jahr später bestand seine Firma bereits aus 30 Mitarbeitern. Heute arbeiten für sein Unternehmen mehr als eintausend Angestellte, die jeden Tag Putter, Eisen und Hölzer produzieren und sie von Phoenix aus in alle Welt verschicken.
Ruhm und Ehre in der Hall of Fame
Karsten Solheim mag zeitlebens kein begnadeter Marketingexperte gewesen zu sein, dafür aber ein begnadeter Entwickler und Erfinder, der mit seinen Schlägern den Golfsport revolutionierte. Sein analytisches Denken und seine hohen Ansprüche an die Fertigung hoben zudem den gesamten Golfmarkt auf eine völlig neue Ebene. Serienproduktion in handgefertigter Maßarbeit, war Zeitlebens sein Credo. Als Karsten Solheim im Jahr 2000 starb, hinterließ er ein ganzes Bündel von Ideen und Innovationen, seine Aufnahme in die „Hall of Fame“ war eine Ehre, die er sich redlich verdient hatte. Er ist übrigens der einzige Ingenieur, dem diese gewaltige Auszeichnung im Golfsport jemals zuteil wurde. Bis heute befindet sich die Firma im alleinigen Besitz der Familie Solheim und wird von seinem ältesten Sohn John A. Solheim als CEO und Chairman geleitet. Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. John K. Solheim, der Sohn von John A., ist aktuell der „VP Engineering“ und setzt als Vizepräsident die Tradition der Familie fort.
